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Injektionsmasse bei der Korrosionspäparation
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Moin,
bei der Korrosionspräparation wird ein Organ oder ein anatomisches System gespült, fixiert, erneut gespült und dann mit einer Masse injiziert. Darauf folgt, nach einer gewissen Aushärtezeit, eine Korrosion des Gewebes mit KOH oder HCl, welche nur die ausgehärtete Injektionsmasse übrig lässt.
Ich lese jetzt schon lange sämtliche Literatur zu dem Thema durch und habe schon einiges gefunden, teilweise durchführbar, teilweise nicht mehr.
Gefunden und vllt durchführbar ist bisher Folgendes:

-Plexiglas-Lösung (Baud, Duprez, wird nur in einigen Texten erwähnt, ich finde den Originaltext nicht.)
-Eine Mischung aus Lärchenterpentin und eingedickter Mastixfirniss (leider sauteuer)
-Colophonium + venetianisches Terpentin injizieren, dann korrodieren in Schwefelsäure, anschließend einschließen in gipsähnlicher Masse und ausglühen, den Hohlraum mit Metall ausgießen (Lieberkühn,
leider sehr aufwendig)
-Zelluloid-Massen und vllt Lösungen von Celluloseacetat

Fallen euch noch Stoffe ein, welche aushärten und sich nicht in Salzsäure zersetzen/lösen?

Die Plexiglaslösung wird öfter erwähnt, ich finde jedoch keine vernünftigen Angaben, wie viel Acrylglas sich in welchem Lösemittel löst. Hat da jemand eine Ahnung?

Fallen euch noch gut Aceton-/Ethylacetat-/Benzin-/Isopropanol- lösliche Kunststoffe ein, welche eine gute Beständigkeit gegen Salzsäure haben?

Über Antworten freue ich mich sehr Smile

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Irgendwo her habe ich noch in Erinnerung, dass Styropor (Polystyrol) sich in Aceton löst. Vielleicht reicht die Beständigkeit gegen Salzsäure für deine Anwendung?

Indikator hat Folgendes geschrieben:
Fallen euch noch gut Aceton-/Ethylacetat-/Benzin-/Isopropanol- lösliche Kunststoffe ein, welche eine gute Beständigkeit gegen Salzsäure haben?
Vielleicht hilft dir
https://www.rct-online.de/de/RctBestaendigkeitsliste/index/page/all#
weiter? Wenn ich eine möglichst gute Übersicht zur Beständigkeit haben wollte, würde ich aus so einer Liste die Materialien raussuchen, die als gegen Salzsäure beständig, aber gegen Isopropanol usw. nicht beständig eingetragen sind. Und dann die Liste weiter aussieben (Preis, Verfügbarkeit, Löslichkeit).
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Am besten Gunther von Hagens fragen ... Cool

Eine Lösung eines Kunststoffes in einem Lömi wird sich nicht eignen, weil das Lömi aus dem Inneren des Präparates nicht gut genug und nicht gleichmäßig verdampft. Ausserdem hat der ausgeschiedene kunststoff ein viel kleineres Volumen als die lösung, die man injiziiert hatte. Man muss eine Flüssigkeit injiziieren, die dann auspolymerisiert - und zwar ohne relevante Volumenänderung. Sonst bekammt man kein gescheites Präparat.

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@lemmi:
Menschen die ich bei der Recherche zu dieser Art von Themen nicht mehr mögen gelernt habe: Gunther von Hagens, sonst eigentlich niemand
Der hat einige Polymere, die auch bei verschiedenem Anderen verwendet werden, aber die verscherbelt der für ordentlich Geld und auch nur in Mengen die sogar mir zu riesig wären Laughing

Ja an sich hast du recht was die Polymerisation angeht, aber die wird eher selten verwendet, weil die meisten Härter das Gewebe angreifen würden oder zu viel Wärme produzieren oder sogar Gase produzieren.
Ich dachte noch an Zement, aber der greift das Gewebe ja auch an Very Happy steht aber in meiner Liste für Materialien die ich mit irgendetwas kleinerem ausprobieren werde.

@Reosir:
Ah, die Website ist ja klasse Smile dankeschön Smile
Was das Polystyrol angeht, das wird von Aceton glaub ich nur angelöst, es fungiert eher als Weichmacher als als LöMi, da hab ich schon gelesen, dass es anscheinend gut in Essigsäureethylester löslich ist, das muss ich nochmal ausprobieren, vllt könnte das klappen, je nach dem wie gut es löslich ist könnte das klappen Smile

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Polystyrol ist in Aceton ausgezeichnet löslich, probiers mal mit etwas Styropor aus! Aber das wird sich als Ausgussmaterial nicht eignen. Begründungen siehe oben.

Dass G.v.Hagens sein Plastinierzeugs auch verkauft wusste ich gar nicht! Ich dachte eher an das know-how - war aber nicht sooo ernst gemeint! Wink

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Ich erinnere mich, dass bei uns in der Schule einige Schüler solche Präparate (teils recht große, einmal z.B. eine Schafslunge) hergestellt haben. Ich weiß nicht mehr genau, was für eine Masse dass da verwendet wurde, jedenfalls war das ein Monomer, der mit einem Pulver vermischt wurde, der sehr dünnflüssig war. Der Monomer hat sehr penetrant nach "heißem Acrylglas" (Acrylsäure?) gerochen. Anschließend wurden die Präparate in Natron- oder Kalilauge ausgekocht. Da erinnere ich mich noch an eine lustige Szene: Die Schüler wollten das Lungenpräparat noch vor den Ferien auskochen, sie fanden aber leider nirgends eine genügend große Pfanne. Als sie dann nach den Ferien endlich mit einer großen Pfanne daherkamen (das Lungenpräparat wurde inzwischen schon von diversen Bakterien besiedelt, was einen eher unangenehmen Duft ausstrahlte, der beim auskochen immer stärker wurde), mussten sie dann erfahren, dass das Aluminium dieser Pfanne auch lebhaft mit der Lauge reagiert. Die Aktion endete in einer riesen Sauerei, da die Pfannen überschäumte. Die Schüler haben dann den Schaum oben fleißig abgeschöpft, bis dann schließlich der Boden undicht wurde... Danach gab es jedenfalls einiges aufzuräumen im Hinterhof.

Bei Interesse könnte ich mal nachfragen, was das für ein Monomer war. Vielleicht würde auch normales dünnflüssiges Epoxid- oder Polyestergießharz (oder zweikomponenten- Silikon) funktionieren. Mischungen aus Lärchenterpentin und Mastix (oder auch Kolophon oder andere Harze) sind sehr Zerbrechlich und würden beim Auskochen erweichen.

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Ich vermute mal, daß die Ausgießmasse zunächst dünnflüssig sein muß, um in feinste Hohltäume eindringen zu können. Monomere mit relativ kleinen Molekülen können allerdings neben den Radikalstartern auch vorpolymerisierte Oligomere und Quervernetzer transportieren.

Als Startsignal für Radikalstarter eignen sich verschiedene Energieformen: Wärme, Licht und ionisierende Strahlung. Man muß im Einzelfall das geeignete System herausfinden.

Bei den thermischen Startern gibt es Carbonsäureperoxide, die zuerst in der Peroxid-Bindung spalten und danach noch CO2 abspalten. Letzteres löst sich gut in wässriger Matrix. Die Azabis-...-nitrile setzen in der Mitte des Moleküls molekularen Stickstoff frei, der sich in der Matrix weniger gut löst. Mit Ketonperoxiden und Kobalt-Katalysatoren werden recht dicke und völlig transparente Polyester-Gießlinge gestartet, die außerdem nur wenig innere Wärme vertragen.

Als Quervernetzer können mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Divinylbenzole oder andere mehrfach polymerisationsfähige Moleküle dienen. Sie können das eigentlich gut lösliche Polystyrol bis zur Unlöslichkeit vernetzen, wenn sie von Beginn an mitpolymerisiert werden.

Je größer die vorpolymerisierten Oligomere sind, desto geringer sind Reaktionswärme und Schwund; allerdings auch die Viskosität des rohen Harzes. Man muß also einen Mittelweg zwischen den verschiedenen Vor- und Nachteilen finden.
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@lemmi:
ja ich kenne den Versuch mit Aceton und Styropor, den hab ich öfter mal Schülern vorgeführt, aber so wirklich gelöst hat sich das Styropor nie, es blieb einfach als Masse übrig, welche zur Erheiterung der Schüler meist aus sah wie Ejakulat. Laughing

@Lithiumoxalat:
das wäre natürlich super, wenn du das mal nachfragen könntest Smile

Ja ich weiß, dass die natürlichen Harze und Wachse, sowie Mischungen dieser sich beim Kochen verflüssigen würden, dafür ist ja die konz. Salzsäure da, die zersetzt das Gewebe rund um die Injektionsmasse, soll aber laut Hyrtl nicht die Wachs/Harz-Masse angreifen können

@Glaskocher:
Das ist ja noch ein Problem bei den käufl. Kunstharz-Produkten, die wenigsten schreiben explizit drauf, um was es sich handelt oder wie gut die chem. Beständigkeit gegenüber Säuren ausschaut.
Die Flüssigkeit sollte dünnflüssigsein, kann jedoch auch eben eine gewisse Viskosität aufweisen, weil sie ja sowieso unter Druck in das Organ injiziert wird.

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mir ist gerade noch etwas eingefallen. ich könnte womöglich, wenn sie vollkommen ausreagieren und keinerlei Edukt übrig bleibt, eine dünnflüssige Kunstharz-Mischung nutzen, diese vorher vakuumieren, damit keine Luftbläschen eingeschlossen sind und dann nutze ich statt der HCl oder der KOH eine Enzymlösung bei 30 bis 60° C. Dafür müssten mir die Hersteller dann auch nicht sagen können ob ihre Produkte HCl oder KOH resistent sind Smile

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