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Eure Ansichten zum Thema Philosophie
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Da ich absolut keine Vorstellung habe, was ihr so vom Themenkomplex Philosophie denkt, frage ich das hiermit einfach mal in die Runde: Was ist eure Ansicht dazu?

Mit Philosophie meine ich alles, was man dazurechnen kann, also auch meinetwegen Ethik und dergleichen, aber auch Erkenntnistheorie oder die Lehren verschiedener Philosophen.
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Die Fragestellung ist sehr absonderlich. Genausogut könntest Du fragen: Was denkt ihr über die Geschichtswissenschaft, Psychologie oder Wissenschaftstheorie etc. pp.

Drehen wir die Frage(-richtung) um : Stellen wir uns vor wir sind in einem philosophischem Forum und jemand stellt die Frage: Was denkt ihr über die Chemie ?

Was erwarte ich als Chemieaphiner von diesen Beiträgen? Sicherlich keine "Kochrezepte".

Redest Du also von "chemischer Philospie" mit anderen Worten "chemische Aspekte der Philosophie" oder redest Du von "Philosophie der Chemie"

Desweiteren ist nicht klar, ob Du mit der laxen Ausdrucksweise "meinetwegen auch Ethik" Ethik- oder Moralphilosophie meinst.
Für weitere Diskusionen enpfehle ich folgende Literatur:
Stegmüller; Einführung in die Gegenwartsphilosophie Bde1-4; enthält wirklich sehr schöne Artikel der Art "Naturwissenschaft für Philosophen".
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Ich meine keine Philosophie der Chemie, sondern allgemeine Aspekte der Philosophie sowie deren Notwendigkeit (für euch). Dass ich diese Frage in einem Chemieforum gestellt habe, ist sogesehen sehr zufällig, da geb ich dir recht, was aber der eigentlichen Frage keinen Abbruch tut.

Meiner Erfahrung nach meinen Naturwissenschaftler, zu denen ich Chemiker nunmal zähle, oft, dass Philosophie und philosophische Fragestellungen nicht notwendig für irgendetwas sind. Diese Erfahrung habe ich auch im Studium gemacht, teile sie aber selber nicht.
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Beschreibe doch mal, wofür diese Fragestellungen notwendig sind bzw. bislang waren.
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Also ich finde, man muss unterscheiden zwischen der klassischen Philosophie und der "Alltagsphilosophie".

Letzteres gehört zum Leben dazu. Letztendlich ist es ja schon philosophisch, sich mit dem Leben, seinem Sinn oder Unsinn, dem Lebensweg etc. pp. auseinanderzusetzen. Das macht jeder irgendwann mal, das gehört zum Leben dazu.

Die andere, "richtige" Philosophie trägt bestimmt auch ihren Teil zu unserem Leben bei, ist aber eben nicht so im Vordergrund für die meisten. Dennoch spielt beispielsweise die Ethik in Politik und auch Medizin eine wichtige Rolle!

Um auf den Bereich Philosophie und Chemie zurückzukommen: Platon hat als Philosoph damals - eben auf rein philosophischer Ebene - einiges über die Welt so gesehen, wie es die Naturwissenschaft heute bestätigt hat!
Er war zum Beispiel bereits der Meinung, dass die Welt Kugelgestalt haben muss.

LG,
Florian

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Dass die Erde eine Kugel ist, ist schon sehr lange bekannt und ihr Durchmesser wurde auch schon sehr früh relativ genau bestimmt. Nur wurde hier lange durch die Kirche ein anderes öffentliches Bild erzeugt.
Ich frage mich, ob Überlegungen zur Gestalt der Erde überhaupt mit Philisophie zu tun haben. Zählt ihr soetwas zur Philosophie?
Zitat:
Ethik in Politik

In welchem Land soll das sein? Laughing
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Pok
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Die Fragestellung find ich ebenfalls ziemlich unpräzise. Da könntest du auch eine Umfrage starten: Beschäftigt ihr euch als Chemiker mit Philosophie: ja/nein?

Physiko-Chemiker hat Folgendes geschrieben:
Meiner Erfahrung nach meinen Naturwissenschaftler, zu denen ich Chemiker nunmal zähle, oft, dass Philosophie und philosophische Fragestellungen nicht notwendig für irgendetwas sind. Diese Erfahrung habe ich auch im Studium gemacht, teile sie aber selber nicht.


Finde ich nicht. Harald Lesch ist ein berühmter Physiker und Philosoph. Ostwald (Nobelpreisträger) war Chemiker und Philosoph. Beides sind Wissenschaften und Chemiker haben, glaube ich, deshalb auch mehr mit Philosophie am Hut als der Rest der Nichtphilosophen. Oder kennst du einen Bauarbeiter, der Philosophie als Hobby hat? Selbst bei den meisten nicht-körperlichen Berufen wie Werbefachmann oder BWLer dürften keine Philosophen dahinterstecken. Also wenn Chemiker wenig mit Philosophie zu tun haben sollten, wäre das nix besonderes. Bei diesen anderen hat man diese Erwartung nicht, aber bei Chemikern kommt dir diese Frage in den Sinn? Wahrscheinlich weil du doch einen gewissen Zusammenhang zwischen deinen Interessen Chemie und Philosophie siehst. Physiker müssen praktisch Philosophen sein, wenn man bedenkt, was die alles infrage stellen.

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Hmm, back to the roots?
schließlich gibt es die Vorstellung, die Wissenschaften, auch die Naturwissenschaften gingen auf bestimmte Fragestellungen in der klassischen Philosophie zurück. Auch könnte man schon sagen, die wissenschaftliche Methodik sei Teil einer reduktionistisch-philosophischen Sicht auf die Technik des Infragestellens, was so gesehen für sich bereits was philosophisches hat -> z.B. Ockhams Razor.
Die Frage nach Philosophie im Denken naturwissenschaftlich befasster Menschen ganz allgemein und vor Allem als Frage nach einer Meinung über Philosophie ganz allgemein zu stellen ist wohl kaum zielführend.

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CD-ROM-LAUFWERK hat Folgendes geschrieben:
Beschreibe doch mal, wofür diese Fragestellungen notwendig sind bzw. bislang waren.


Die Naturwissenschaft untersucht die Welt, wie wir sie wahrnehmen, nicht, wie sie ist. Die Philosophie interessiert sich für die Welt, wie sie ist. Die Philosophie untersucht damit die Fragen, für die keine direkten Experimente gemacht werden können. Praktischen Nutzen zu verorten wäre hier nicht unbedingt sinnvoll. Philosophie kann Ansichten erweitern (und schließlich ist sie faktisch die Mutter aller Naturwissenschaften, weil aus ihr das Interesse für das Sein an sich kommt), aber das muss sie nicht zwingend und das ist gar nicht ihre Aufgabe. Die Philosophie an sich ist genauso Selbstzweck wie Hobbychemie oder Geocaching oder Filmeschauen. Dort ist nach einem Zweck zu fragen auch nicht nützlich. Sie fängt an, sobald man sich Fragen stellt, die über das, was wir eben durch Experimente wissen, hinaus geht. Es ist einfach ein tiefes Interesse an der Frage, was das Sein an sich ist und was es ausmacht.

Die Ethik hat, ohne Zweifel, einen praktischen Nutzen. Wir sind alle von der Moral der Gesellschaft zutiefst abhängig, aus der wir kommen, soweit sogar, dass es erst einige Jahrtausende (bis Freud) brauchte, bis wir ihr wahres Potenzial zu erahnen anfangen konnten. Wenn wir unsere eigenen Handlungen verstehen wollen, dann müssen wir die Ethik miteinbeziehen und damit die Philosophie.

Wir glauben, auch durch unsere Sozialisation, sehr viel zu wissen, sehr viel feststehen zu haben, was aber in Wirklichkeit nur von unserem Zeitgeist abhängt. Ob wir jetzt Physikalisten sind (wie die meisten Leute hier), oder Idealisten, das hängt sehr stark von der Zeit ab, in der wir leben. Wir sind, wenn wir nicht Philosophie betreiben, d.h. alles an sich hinterfragen, Sklaven der Zeit, in der man geboren ist. Und von dieser Grundansicht hängt alles weitere ab, was wir denken, tun und machen. Deshalb, denke ich, sollten wir die Möglichkeit, alles anzuzweifeln, was sich anzweifeln lässt (nach Descartes), auch nutzen. Das stößt irgendwann natürlich an Grenzen: wir können nicht dauerhaft nur reflektieren, aber nie handeln: wir sind zum Handeln (und damit zum Festlegen und Entscheiden) gezwungen. Aber solange diese Grenze nicht erreicht ist, bin ich noch zu viel Sklave und zu wenig frei.

Ich bin selbst nicht sonderlich gern Sklave, egal ob von anderen Menschen oder von der Zeit, in der ich zufälligerweise geboren wurde; ich probiere, soweit es geht, mein Leben in meine eigene Hand zu nehmen. Und das ist am Ende Philosophie: ein sich-losmachen von dem, was wir für absolut sicher halten und ein Taumeln zwischen allem, was möglich ist.

Pok hat Folgendes geschrieben:
Finde ich nicht. Harald Lesch ist ein berühmter Physiker und Philosoph. Ostwald (Nobelpreisträger) war Chemiker und Philosoph. Beides sind Wissenschaften und Chemiker haben, glaube ich, deshalb auch mehr mit Philosophie am Hut als der Rest der Nichtphilosophen.


Weil es also Diamanten und Smaragde gibt, sind auch Kieselsteine wertvoll?

Ich wollte darauf hinweisen, dass das meine Erfahrung ist. Sicherlich findest du immer Gegenbeispiele, nur bezog ich mich auf die Studenten, die ich kenne, sowie auch Hochschullehrer und sonstige Angestellte. Auf die Allgemeinheit halt. Und meine Vermutung, dass es bei Hobbychemikern anders sein könnte, wollte ich hier prüfen.

Ich geb dir allerdings Recht bei den Physikern. Physik will die grundlegenden Muster erkennen, Chemie nimmt viele Muster an, die aber nicht zwangsläufig existieren müssen. (Davon abgesehen sehe ich die Chemie in Relation zur Physik wie Analysis in Relation zu Rechnen. Sie ist notwendig, aber, wie alle anderen Disziplinen, eher historisch begründet.)
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Zitat:
Die Naturwissenschaft untersucht die Welt, wie wir sie wahrnehmen, nicht, wie sie ist.

Naturwissenschaften sind nun wirklich lange aus der Zeit raus, wo es nur um unsere Wahrnehmung ging.
Zitat:
Die Philosophie untersucht damit die Fragen, für die keine direkten Experimente gemacht werden können. Praktischen Nutzen zu verorten wäre hier nicht unbedingt sinnvoll.

Ich will keinen praktischen Nutzen sondern nach wie vor Beispiele für die nunmehr "untersuchung von Fragen". Aber: Heißt das, dass nur die Fragen selbst untersucht werden, aber gar nicht die Antworten o.ä.? Wink
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Pok
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Zitat:
Die Naturwissenschaft untersucht die Welt, wie wir sie wahrnehmen, nicht, wie sie ist. Die Philosophie interessiert sich für die Welt, wie sie ist.

Naturwissenschaften wollen durchaus die Welt untersuchen wie sie ist. Sie untersucht auch nicht nur das was wir wahrnehmen. Durch den Einsatz von irgendwelchen Sensoren (pH-Messgerät, Massenspektrometer) usw. übernehmen Maschinen diese Aufgabe. Und mit der Philosophie kann man chemische Prozesse überhaupt nicht erklären und diese Prozesse sind real, also ein Teil der Welt "wie sie ist". Die beiden Gebiete untersuchen einfach völlig verschiedene Fragestellungen und die Philosophie ist nicht besser oder tiefgründiger. Sie ist einfach eine Sozialwissenschaft und da kann man nicht sagen, sie ginge über das hinaus, was die Naturwissenschaften untersuchen!

Da du ständig von "Sklaverei" sprichst, scheint mir das schon ein spezielles Thema zu sein, was dich beschäftigt, was man auch einfach als Gesellschaftskritik beschreiben könnte. In dieser kapitalistischen Gesellschaft (oder was auch immer genau dich an ihr stört) suchst du nach einem Sinn, denn dieser ganze Materialismus und die damit verbundenden Zwänge erfüllen dich nicht. Richtig? Cool

Zitat:
Und das ist am Ende Philosophie: ein sich-losmachen von dem, was wir für absolut sicher halten und ein Taumeln zwischen allem, was möglich ist.

Ok, wenn das Philosophie ist, bin ich dagegen. Die meisten brauchen ein bisschen Sicherheit im Leben und ständig nur Taumeln macht auch keinen Spaß, irgendwann will man ja zum Ziel kommen.

Zitat:
Weil es also Diamanten und Smaragde gibt, sind auch Kieselsteine wertvoll? Ich wollte darauf hinweisen, dass das meine Erfahrung ist. Sicherlich findest du immer Gegenbeispiele, nur bezog ich mich auf die Studenten, die ich kenne, sowie auch Hochschullehrer und sonstige Angestellte. Auf die Allgemeinheit halt.

Der Vergleich ist aber mehr als unpassend und die praktisch schon verneinte Schlussfolgerung ebenfalls. Profs und Nobelpreisträger sind nicht wertvoller als andere. Außerdem hätte es wenig gebracht, wenn ich Hinz und Kunz als Beispiel wähle. Die Allgemeinheit besteht bestimmt nicht nur aus deinen Mitstudenten, Profs und Hochschulangestellten. Zuerst sprachst du auch explizit von Naturwissenschaftlern und nicht von der Allgemeinheit. Wenn du wirklich so frei sein willst, solltest du dich nicht nur von Zwängen der Gesellschaft und der Zeit loslösen, sondern auch von deinen eigenen Ansichten. Oder du hast durchaus Ansichten (z.B. Kapitalismuskritik) und willst sie vorantreiben, dann taumelst du aber nicht mehr zwischen allem was es gibt.

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CD-ROM-LAUFWERK hat Folgendes geschrieben:
Naturwissenschaften sind nun wirklich lange aus der Zeit raus, wo es nur um unsere Wahrnehmung ging.


Das dachte ich auch lange Zeit, dass das so ist. Aber alles, was von außen kommt, geht sozusagen erstmal irgendwie "in uns rein", wird also visuell, akustisch, haptisch, olfaktorisch... wahrgenommen. Alle Konzepte, die wir kennen, sind nur für jeden einzeln gültig, nicht aber für die Allgemeinheit. Ein Beispiel sind Farben, namentlich das Kleid, das für alle anders aussieht.

Und auch Messgeräte sind keinesfalls nicht davon betroffen. Dass das Gerät etwas anzeigt, "weiß" es selber nicht, erst durch unsere Wahrnehmung und Interpretation des Angezeigten wird es ein Teil der wahrgenommenen Welt. Um das mal auf die Chemie zu übertragen: Eine Lösung wird mit Phenolphthalein-Lösung versetzt und wird violett. Jemand, der von Chemie keine Ahnung hat, weiß nicht, was da passiert ist, er sieht nur, dass sich die Farbe verändert hat (was ist Farbe überhaupt?). Aber jeder Chemiker ist sich nun im Klaren darüber, dass die Lösung einen pH-Wert größer 8 aufweist. Beide haben das selbe "Messgerät" abgelesen, aber es unterschiedlich interpretiert. Das lässt sich auf beliebige andere Szenarien übertragen.

Auch möchte ich darauf hinweisen, dass alle Dinge, die wir benennen, nur in unserer Wahrnehmung existieren. Meines Erachtens nach gibt es physikalische Materie, aber keine Dinge wie "Kerzenständer", "Blumentöpfe" oder alles andere. Das sind nur vom Menschen gemachte Abstraktionen, die zweifelsohne nützlich sind, aber nicht existieren. Ein interessanter Aufsatz dazu ist hier zu finden. Damit hatte ich selbst auch sehr lange zu kämpfen, aber das ist kein Wunder, wenn man aus dem Menschenkreis stammt, in dem man hier aufgewachsen ist. Da fällt es vielen schwer, sich vom bloßen Worte-hin-und-her-schieben zu lösen und hinter diese zu steigen. Ein Beispiel dessen ist der Kommentar Poks bezüglich meiner Stein-Metapher.

Zitat:
Ich will keinen praktischen Nutzen sondern nach wie vor Beispiele für die nunmehr "untersuchung von Fragen". Aber: Heißt das, dass nur die Fragen selbst untersucht werden, aber gar nicht die Antworten o.ä.? Wink


Klares jein Very Happy Der Philosoph Martin Heidegger beispielsweise hat sich in seinem Hauptwerk Sein und Zeit mit der Frage nach dem Sinn vom Sein befasst. Die Antwort darauf steht ganz am Anfang: Dasein ist Zeitlichkeit. Die restlichen 430 Seiten befassen sich dann mit dem Inhalt und Stellen der Frage danach.

Und auch die Antworten werden natürlich berücksichtigt, aber es wird nicht gefordert, dass es welche gibt. Die Antworten wiederum lösen ja auch neue Fragen aus, &c. Die Idee dahinter ist die, dass erst wenn ich die Frage verstehe, ich auch die Antwort verstehen kann. Und: nicht alles mit einem Fragezeichen ist auch eine Frage, andersherum auch nicht.

Im Übrigen bin ich schon erfreut, dass meine Frage hier doch ein bisschen Resonanz gefunden hat. Tatsächlich hätte mir auch als Antwort ein "Interessiert mich nicht" gereicht, aber nicht zufrieden gestellt. Very Happy Und, um mich nochmal klar(er) auszudrücken, ich meinte tatsächlich eure persönliche Ansicht dazu, nicht die generelle Fragestellung aus Sicht der wissenschaftlichen Disziplinen.
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Pok
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Wenn du so argumentierst (wir nehmen alles nur über Reize wahr), kannst du auch gleich behaupten, dass du in der Matrix lebst und in Wirklichkeit gerade teilnahmslos in einer Suppe schwimmst, während dir elektrische Reize ins Gehirn gespeist werden. Was bringt es mir festzustellen, dass ein Kerzenständer eine Abstraktion ist? Ohne diese Abstraktion kann man nicht vernünftig mit einander kommunizieren. Der Kerzenständer existiert sehr wohl. Solche grundlegenden Überlegungen über die "Existenz der Realität" finde ich unsinnig und bringen mir absolut nichts. Andere und lebensnahe philosophische Fragen sind interessanter, weil sie das Handeln wirklich beeinflussen können. Ob du es "Kerzenständer" oder "Haufen Materien" nennst, wird in deinem Leben nix ändern - außer vielleicht, dass dich andere für verrückt halten.

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Pok hat Folgendes geschrieben:
Naturwissenschaften wollen durchaus die Welt untersuchen wie sie ist.


Pok hat Folgendes geschrieben:
Wenn du so argumentierst (wir nehmen alles nur über Reize wahr), kannst du auch gleich behaupten, dass du in der Matrix lebst und in Wirklichkeit gerade teilnahmslos in einer Suppe schwimmst, während dir elektrische Reize ins Gehirn gespeist werden. Was bringt es mir festzustellen, dass ein Kerzenständer eine Abstraktion ist?


Hierbei widersprichst du dir selbst. Entweder du willst wissen, wie die Realität wirklich ist (und dort ist der Kerzenständer nur eine Abstraktion und existiert nicht an-sich als Kerzenständer), oder aber du willst es nicht wissen. Wenn du Naturwissenschaftler bist, würdest du es wissen wollen, weil es die Beschaffenheit der Realität ist und nicht
unserer Wahrnehmung der Realität, gleichzeitig scheinst du dich eben, wie gesagt, nur für unsere Wahrnehmung der Realität zu interessieren. Es geht auch nicht ums alleinige Nennen der Begriffe. Ich kann ein Ding "Kerzenständer", "Haufen Materie" oder "Xibipiio" nennen, das sind nur Begriffe. Es geht hier aber nicht um die Weise, wie wir Dinge nennen, sondern darüber, wie wir über Dinge denken, d.h. es geht um Konzepte.

Wir beide kennen Zahlen. Die Zahl 4 z.B. steht für ein sehr abstraktes Konzept. Du kannst dir vier @-Zeichen vorstellen (@@@@) oder vier Äpfel oder vier Worte oder vier Autos. Aber in keinem davon steckt die Zahl 4 wirklich drinnen. Du findest nirgendwo eine 4 in der Natur, egal wie lange du suchst. Du findest viele Dinge, die du zu Vierergruppen gruppieren kannst, aber damit fehlt dir noch das Verständnis dafür, was die Vier wirklich ist. Auf die Vier möchte ich auch nicht hinaus, sondern darauf, dass wir dieses Konzept beliebig benennen können, aber es immer für das gleiche Konzept stünde. Auch wenn wir statt vier jetzt "sallos" sagen, hieße "sallos Xibipiio" immer noch "vier Xibipiio" und nichts Anderes. Auch "four Xibipiio" zeigt das, oder "quatre Xibipiio".

Es geht um das, was "sallos" (hier zumindest), "vier", "quatre" und "four" zugrundeliegt, die Idee davon, die erst die Übersetzbarkeit ermöglicht.

Und zu wissen, dass die Dinge in der Realität in ihrem Sein davon unabhängig sind, was wir von ihnen denken, ist, denke ich, absolut grundlegend für ein realistisches Verständnis der Welt. (Natürlich gilt das nur für das Jetzt. Einen Hammer nicht als Hammer, sondern als Scheibenwischer zu verstehen hat durchaus, zumindest für die Scheibe, eine verändernde Wirkung: aber der Hammer, wie er jetzt und nicht in irgendeiner x-beliebigen Zukunft, ist von dem, was wir von ihm denken, nicht beeinflusst. Und darum geht es.
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