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Erdöl Rohöl
IllumiNobel-Gewinner 2012

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Erdöl etwas näher betrachtet:



Bedenkt man wie extrem unser Alltag von Erdöl b.z.w. Erdölprodukten bestimmt wird, und wie wenig man als "Endverbraucher" vom Rohstoff selbst zu sehen bekommt, ist "echtes" Rohöl schon fast eine unsichtbare und magische Substanz.
Es gibt unzählige Artikel über Erdöl, die jedoch meistens bei Beschreibungen wie z.B.: "Geruch charakteristisch" anfangen zu "stocken",
-dazu gibt es meistens ein Bild mit einer schwarbraunen Flüssigkeit. Confused
Hier möchte ich weniger die chemische Zusammensetzung (was mir auch gar nicht möglich ist),
sondern nur ein paar grundlegende Eigenschaften untersuchen und das schwarze Gold etwas näher betrachten.

Die vorliegende Sorte kommt, soweit ich das zurückverfolgen konnte über die TAL (Transalpine Pipeline) vom Hafen Triest nach Süddeutschland.
Es dürfte sich um ein Gemisch (sog. Blend) aus dem nahen Osten handeln. Laut TAL-Betreiber sind dort bis zu 220 verschiedene Rohölsorten verfügbar,
wovon kundenspezifisch, je nach Anforderungen der abnehmenden Raffinerien 10-12 Sorten untereinander vermischt und verschickt werden.
Dabei wird darauf geachtet dass nach einer stärker schwefelhaltigen Sendung keine schwefelarme Sorte hinterhergeschickt wird, da diese in der Pipeline verbliebene schwefelhaltige Rückstände aufnehmen würde.

Das Öl:
Auf dem ersten Blick tatsächlich eine schwarzbraune Flüssigkeit Very Happy ,die beim umschwenken in einem Glasgefäss die Glaswand stark benetzt.
Blickt man durch die benetzte Glaswand erkennt man einen leicht rötlichen Schimmer. Wenn man genau hinsieht, kann man wachsartige
Rückstände erkennen, die mit dem Öl an der Glaswand zurückbleiben, was wohl von gelösten Bitumen, Paraffinen und Sedimentresten herrührt.

In einer Pipette lässt sich das besonders gut erkennen:


Unter dem Mikroskop lassen sich kleine Partikel erkennen. Eventuell Sedimentreste:


Die Konsistenz des Rohöls ist um einiges dünnflüssiger als z.B. Sonnenblumenöl (Speiseöl). Beim erwärmen wird das Öl dünnflüssiger und der Geruch sehr intensiv.
Der Geruch ist (wie in verschiedenen Quellen angegeben) tatsächlich charakteristisch: ( Mr. Green )
Zugegeben habe ich einen etwas "natürlicheren" Geruch erwartet, was auch immer man sich darunter vorstellt.
Wenn man sich den Geruch von Benzin, Diesel, Schmieröl, Naphtalin, Asphalt und diversen Lösungsmitteln vorstellt ist man schon nah dran.
Der erste Geruchseindruck erinnert an Güterzug, beladen mit Altmetall, der in der Nähe eines Schrottplatzes bei der Altölsammelbude parkt.
Öffnet man selbst ein kleines Fläschchen mit Erdöl, breitet sich der Geruch fast penetrant aus.
Man kann sich einen ähnlichen Geruchseindruck selber "mischen" in dem man oben genanntes einfach zusammenkippt. Twisted Evil
Vor einigen Jahren habe ich das tatsächlich mal gemacht und das Ergebnis damals war gar nicht so schlecht:


Radioaktivität liess sich nicht feststellen, dafür eine gelbliche Fluoreszenz unter UV Licht 405nm:

(Vielleicht schlecht zu sehen, das Erdöl war auf einen Uhrglas über dem Papiertuch)

Entzünden lässt sich das Öl erst ab einer höheren Temperatur. Ich habe das mit einer sehr kleinen Menge ausprobiert, weshalb nur sehr kurz eine Flamme zu sehen war. (Deshalb gibt es hiervon leider kein Foto)

Wie erwartet lässt sich das Öl erstmal nicht mit Wasser vermischen:


Nach starken schütteln mit Wasser kann man helle und dunkle Öltröpfchen erkennen, die wieder zur Wasseroberfläche zurückkehren:

Die verschiedenen Farben der Tröpchen könnten auf ein Gemisch verschiedener Ölsorten hindeuten.

Wird etwas Öl mit Wasser (hier im Uhrglas) vermischt und ein paar Stückchen PU-Schaum (Polyurethan) zugegeben, so wird das Öl (nach einigen Umrühren) wegen seiner geringeren Oberflächenspannung vom PU-Schaum regelrecht "aufgesaugt":

Auf dem Wasser blieb kein erkennbarer kein Ölfilm zurück.

Hier nochmal im Reagenzglas. Links erdöl nach schütteln mit Wasser, rechts nochmaliges schütteln mit PU-Schaum:

Soweit ich weiss wird dieser Effekt in "Ölbindern" genutzt, womit die Entsorgung schon geklärt ist. Alternativ: ->Altöl

Noch eine kleine Anekdote...:


-und eine interessante Doku:
http://www.youtube.com/watch?v=ss-NmRudm_M
Unter anderem gibts in dem Video natürliche Erdölaustritte zu sehen. Surprised

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Hallo Andi,

das hast Du sehr schön erläutert und dokumentiert

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"Der einfachste Versuch, den man selbst gemacht hat, ist besser als der schönste, den man nur sieht." (Michael Faraday 1791-1867)

Alles ist Chemie, sofern man es nur "probiret". (Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832)

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IllumiNobel-Gewinner 2012

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Das ist kein Moorbad, das ist bestes Erdöl!! Shocked :


Gönnen kann man sich den Spass in Naftalan, Aserbaidschan:
http://de.wikipedia.org/wiki/Naftalan
..wär direkt mal ne Reise wert

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Hopfen und Malz-Gott erhalt´s
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Erdöl Rohöl
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