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Epithelzellen der Mundhöhle
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Epithelzellen der Mundhöhle

Das Epithelgewebe kleidet als Deckgewebe alle inneren und äußeren Oberflächen des Körpers aus: Man findet es als Oberhaut auf den äußeren Körperpartien, oder als abschließender Bestandteil der Darmschleimhaut. Darüber hinaus kann sich das Epithel in das darunter liegende Gewebe einsenken und Drüsen bilden (Drüsenepithel). Nach er Form der Zellen unterscheidet man: Plattenepithel, kubisches Epithel und Zylinderepithel. Als Beispiel für Plattenepithelzellen sollen nachfolgend die Zellen der Mundschleimhaut dienen. [1]

Geräte:

Lichtmikroskop
Objektträger
Deckgläser
Zahnstocher

Chemikalien:

Wasser

Durchführung:

Mit einem Zahnstocher oder einem geeignetem Holzspatel wird ein wenig Material von der Innenseite der Mundhöhle abgeschabt, auf einen Objektträger aufgebracht und ggf. mit etwas Wasser (bzw. isotonischer Kochsalzlösung) verdünnt. Nach Abdecken des Objektträgers mit einem Deckglas wird das Präparat zunächst im Hellfeld und anschließend je nach Möglichkeit im Dunkelfeld und Phasenkontrast betrachtet. Man erkennt in allen Fällen flache, unregelmäßige Gebilde mit abgerundeten Ecken mit Zellkern. Die Zellen befinden sich dabei teilweise noch (zu mehreren) im Verband oder einzeln aus dem Verband gelöst. [2]

Für die Phasenkontrast-Mikroskopie sind spezielle Objektive (gekennzeichnet mit Ph oder Phaco) und ein dazu passender Kondensor (oder Einlagen) notwendig. Dunkelfeld-Mikroskopie kann mit Hilfe eines entsprechenden Kondensors oder einfacher mit Zentralfeldblenden realisiert werden.

Verwendetes Mikroskop: Carl Zeiss AxioScope A1

Entsorgung:

Anfallende Reste können bedenkenlos über den Hausmüll entsorgt werden.

Erklärung:

Durch Abschaben der Mundschleimhaut werden Zellen mechanisch herausgelöst die im Anschluss mikroskopisch betrachtet werden können. Zum Einsatz kamen in diesem Fall drei mikroskopische Kontrasttechniken: Zunächst die klassische Hellfeld-Mikroskopie (HF) die vorwiegend bei Amplitudenpräparaten (natürlich oder künstlich gefärbtem Material) Verwendung findet. Daneben die Dunkelfeld-Mikroskopie (DF) bei der das Bild durch Beugung und Streuung von Licht an Präparatstrukturen entsteht. Und zuletzt die Phasenkontrast-Mikroskopie (Ph) bei der das Bild durch eine Phasenunterschied zwischen einfallendem und gestreuten Licht entsteht. [3]


Bilder:


Epithelzellen, HF 40x


Epithelzellen, DF 40x


Epithelzellen, Phaco 40x


Literaturquellen:

[1] Dr. Dieter Krauter, Mikroskopie im Alltag, 3. Auflage, Kosmos-Verlag, 1966
[2] Dr. Georg Stehli, Mikroskopie für Jedermann, Kosmos-Verlag, 1960
[3] Dr. Dieter Gerlach, Das Lichtmikroskop, 2. Auflage, Thieme Verlag, 1985

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Ein sehr interessanter Beitrag!

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Guter Artikel zu einem wichtigen biologischen Thema. Besonders schön finde ich die vergleichende Darstellung der drei lichtmikroskopischen Techniken! Wenn du so eine schöne Dunkelfeldeinrichtung hast, solltest du mal versuchen, Spirochäten im Zahnbelag oder von einem Mandelabstrich im Dunkelfeld nachzuweisen. Da findet man öfter welche!

Als Medium für die Beobachtung wäre 0,9%ige Kochsalzlösung grundsätzlich besser geeignet als Wasser, weil sie nicht zu osmotischen Veränderungen der Zellen führt. Bei den hier gezeigten, teils verhornten Plattenepithelien fällt das aber nicht so ins Gewicht, die sind ziemlich resistent.

Frankie hat Folgendes geschrieben:
...Deckgewebe alle inneren und äußeren Oberflächen des Körpers aus: Man findet es als Oberhaut auf den äußeren Körperpartien, als abschließender Bestandteil der Darmschleimhaut oder als inneren Abschluss der Blutgefäßwände gegen die Blutflüssigkeit.

Das ist nicht ganz richtig. Die Zellen, welche die Blut- und Lymphgefäße von Innen auskleiden gehören nicht zu den Epithelien, sondern werden Endothel genannt. Sie sind auch embryogenetisch anderer Herkunft. Während sich Epithelzellen vom Ektoderm (Haut) oder Entoderm (Atem- und Verdauungstrakt, Harnorgane) ableiten, sind die Endothelzellen der Blutgefäße mesenchymaler Herkunft. Damit sind sie den Mesothelzellen verwandt, die die Höhlungen des Brustkorbs (Pleura), der Bauchhöhle (Peritoneum) und des Herzbeutels (Perikard) auskleiden und ebenfalls nicht zu den Epithelien zählen.

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Danke lemmi !

lemmi hat Folgendes geschrieben:
Wenn du so eine schöne Dunkelfeldeinrichtung hast, solltest du mal versuchen, Spirochäten im Zahnbelag oder von einem Mandelabstrich im Dunkelfeld nachzuweisen. Da findet man öfter welche!


Das AxioScope gehört grundsätzlich nicht mir, aber ich sollte in Zukunft einen Zugang dazu (und zu anderen Geräten) haben. Wenn du gute und einfach zu realisierende Ideen hast (die keiner stundenlangen Präparation bedürfen) dann nur her damit.

lemmi hat Folgendes geschrieben:
Das ist nicht ganz richtig.


Gut, hab ich einmal entfernt. Das kommt davon wenn man Literatur aus den 1950er / 1960er Jahren zitiert....

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Probier wirklich mal, im Zahnbelag Spirochäten zu finden! Mit einem Zahnstocher ein bisschen was vom Rand des Zahnhalses, da wo er an das Zahnfleisch angrenzt, abkratzen (am besten morgends vor dem Zähneputzen) und in einem Tropfen NaCl 0,l9% suspendieren. Deckglas auflegen und im Dunkelfeld betrachten (bei 400 X).

Was besonders schön im Phasenkontrast rüberkommt sind Amöben (aus Tümpelschlamm oder einem Aquarium). Generell Einzeller jeder Art: Paramecium, Vortex, Stentor etc. Findet man in Tümpelwasser oder in einem Heuaufguss.

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Sehr schön sind auch Diatomeen oder Zieralgen. Man findet in flachen Gewässern eine Menge von z.B. Synedra sp., Navicula sp., Cyclotella sp. ,Amphipleura sp.

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[EDIT: wenig korrigiert und verschoben]

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Unglaublich wie das so aussieht, Very Happy auf dem 2. Bild könnte man fast noch Augen sehen. Mr. Green
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