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Eine Mohr-Westphal´sche Waage
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Die Mohr-Westphal´sche Waage dient dazu, das spezifische Gewicht von Flüssigkeiten zu bestimmen. Sie vereint dabei auf geniale Weise zwei physikalische Phänomene, nämlich das Prinzip des Auftriebs und das Hebelgesetz. Erfunden hat das Ganze der sehr praktisch veranlagte Pharmazeut Karl Friedrich Mohr (1806-1879) dessen Andenken auch im Mohr´schen Salz (Ammoniumeisen-II-sulfat) und der Chloridbestimmung nach Mohr weiterlebt. Zu Beginn des 20 Jahrhunderts erhielt die Mohr´sche Waage ihre heute noch gebräuchliche Form – und gleichzeitig einen Doppelnamen. Der zweite hier Verewigte war vermutlich der Physiker Wilhelm Heinrich Westphal (1882-1978). Mohr hatte seiner Waage eine senkrecht stehende Zunge gegeben, wie sie bei den normalen Apothekerwaagen üblich ist, die auf einer Skala den Nullpunkt anzeigte. Westphal entfernte den Zeiger, verkürzte den linken Waagebalken und brachte an seinem Ende ein Gegengewicht mit einer Spitze an, die sich gegen eine zweite Spitze einpendeln muss, wenn der Apparat im Gleichgewicht ist. Das folgende Bild stammt aus Frerichs G, Arends G, Zörnig H: Hager´s Handbuch der Pharmazeutischen Praxis; 2. berichtigter Neudruck 1949, Springer-Verlag Berlin-Göttingen-Heidelberg:



Nun konnte ich bei der Auflösung eines alten Apothekenlabors eine solche Waage erstehen. Sie sieht fast genauso aus wie die Abbildung im Buch. Eine Jahreszahl oder einen Eichstempel habe ich nicht identifizieren können, das Alter ist also nicht sicher. Fest steht nur, dass sie vor 1969 gebaut wurde, denn die Aufschrift lautet „gemäß D.A.B. VI“ und das DAB 6 wurde in dem besagten Jahr vom DAB 7 abgelöst.



oder, fertig aufgebaut:



Das Gerät ist aus Messing gearbeitet. Am Waagebalken sieht man links das fixe Gewicht mit der Spitze, die die horizontale Ausrichtung anzeigen soll. Der rechte Teil des Waagebalkens ist in zehn gleiche Teile geteilt, die mit nummerierten Kerben gekennzeichnet sind. Am Ende befindet sich ein Haken, an dem ein Senkkörper aus Glas, der an einem dünnen Platindraht befestigt ist, eingehängt wird. Der Senkkörper hat bei meinem Modell ein Volumen von 5 cm³ und enthält ein eingebautes Thermometer, da das Volumen auf 20°C normiert ist (letzteres spricht dafür, daß die Waage nicht allzu alt ist, denn früher war es üblich, Meßgeräte bei 15°C zu eichen). Außerdem sind der Waage vier Reitergewichte beigegeben, die 5 g, 500 mg, 50 mg und 5 mg wiegen:



Zunächst stellt man das Gerät auf eine horizontale Unterlage und bringt die beiden Spitzen links durch geringes Verstellen der Schraube am Waagefuß genau gegenüber. Dann füllt man die zu untersuchende Flüssigkeit – benötigt werden ca. 75 ml derselben – in den Glaszylinder und taucht den Senkkörper vollständig ein. Dieser verdrängt nun 5 cm³ der Flüssigkeit und erhält dadurch einen Auftrieb, der dem Gewicht der verdrängten Flüssigkeitsmenge gleich ist. Dadurch hebt sich der Waagebalken rechts. Hier habe ich destilliertes Wasser verwendet:



Nun setzt man der Reihe nach die Gewichte, mit dem Größten beginnend, so auf den Waagebalken, daß das Gewicht in der letzten Kerbe platziert wird, bei der sich der Waagebalken gerade nicht senkt. Beim destillierten Wasser führt es zum Beispiel zu einem Absinken des Waagebalkens nach rechts, wenn man das größte Gewicht an den Haken des Senkkörpers hängt (was einer Dichte von 1,0 g/cm³ entspräche). Das Gewicht wird also in die Kerbe „9“ gehängt und die erste Dezimale der Dichte ist damit 0,9.
Dann hängt man das nächst kleinere Gewicht an den Haken, worauf sich der Waagebalken senkt. Also muss auch hier an die Kerbe „9“ umgehängt werden. Weil nicht zwei Gewichte in eine Kerbe passen, hängt man das zweite einfach an das hakenförmige Ende des ersten. Jetzt ist die zweite Dezimale bestimmt und die Dichte zu 0,99 ermittelt.
Schließlich wird das dritte Gewicht aufgelegt. Wenn es in der Kerbe „8“ hängt, befindet sich der Waagebalken genau im Gleichgewicht.



Reines Wasser hat bei 20°C also die Dichte 0,998 g/cm³, was mit den Tabellen übereinstimmt und auch als Eichwert auf der Umhüllung des Senkkörpers angegeben ist.

Als ich die folgenden Messungen durchführte betrug die Temperatur 22-23 °C, wodurch die Werte von denjenigen in der Literatur abweichen (die sich auf 20°C, oder bei den älteren Büchern wie meinem „Hager“ auf 15°C, beziehen).

Hier die Dichtebestimmung von konzentrierter Ammoniaklösung. Der abgelesene Wert beträgt 0,91 g/cm³, was bei 20°C genau 24% NH3 entspräche. Bei meinen 22°C ist der Gehalt wohl eine Spur niedriger anzusetzen.



Hier taucht der Senkkörper in Ethylacetat (bei 22°C). Wie groß ist die Dichte?



Nochmal der Waagebalken in Nahaufnahme:



Der Messwert beträgt 0,8948 g/cm³ (laut Wikipedia 0,894 g/cm³ bei 25°C – wer, zum Kuckuck, gibt denn jetzt auch noch Dichten bei 25°C an?)

Natürlich kann man auch Flüssigkeiten untersuchen, deren spezifisches Gewicht über dem des Wassers liegt. Der Waagebalken senkt sich in diesem Falle auch dann nicht, wenn man das größte Gewicht an den Haken ganz rechts hängt. Die Dichte beträgt also (1,0 + x) g/cm³. Durch zuhängen der nächsten Gewichte nach dem oben beschriebenen Schema wird auch hier der Waagebalken ins Gleichgewicht gebracht.
Als Beispiel hier eine Phosphorsäure, die ich als 85%ig gekauft habe:



Die Dichte ist 1,684 g/cm³, was hinkommt, denn 85%ige H3PO4hat bei 20°C die Dichte 1,689.
Oder hier Chloroform:



Dichte 1,472 g/ml bei 22°C. Der Wert beträgt bei reinem Chloroform bei 20°C 1,48 g/cm³. Nun ist dies hier Arzneibuchchloroform, das bis zu 1% Ethanol enthalten darf. Nach dem Reagenzienverzeichnis des Europäischen Arzneibuchs darf die Dichte zwischen 1,475 und 1,481 g/cm³ liegen. Ich muß nochmal bei 20°C nachmessen, vielleicht ist zu viel Ethanol drin…

Bei der Waage liegt übrigens noch eine Korrekturtabelle, die angibt, dass man für sehr genaue Messungen die Wirkung des Auftriebs in der Luft und des Flüssigkeitswulstes am Platindraht berücksichtigen muss. Demnach ist die Dichte rechnerisch um einen fixen Betrag zu korrigieren, und zwar bei einem Messwert von 0,7 g/cm³ um +0,0002 , bei 0,8 g/cm³um +0,0001. Liegt sie über 1 g/cm³, so muß ein Abzug erfolgen, der bei 1,1 g/cm³ 0,0001, bei 1,3 g/cm³ 0,0005, bei 1,5 g/cm³ 0,0008, bei 1,6 g/cm³ 0.001 und bei 1,8 g/cm³dann 0,0013 beträgt. Meine Schwefelsäure hat eine Dichte von 1,831 g/cm³, nach Korrektur also 1,827 g/cm³, was bei 20°C einem Gehalt von 92,78% H3SO3 gleichkäme (ich muss das Ettikett korrigieren, da steht „98%“ drauf!).

Fazit: das ist ein schönes Gerät mit einem genialen Funktionsprinzip, welches sehr genaue Messungen erlaubt!

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Zitat:
Fest steht nur, dass sie vor 1969 gebaut wurde, denn die Aufschrift lautet „gemäß D.A.B. VI“ und das DAB 6 wurde in dem besagten Jahr vom DAB 7 abgelöst.


Nicht unbedingt, es kann auch sein, dass sie auch noch später mit Bezug auf DAB 6 gebaut wurde. Da die älteren Arzneibücher auch noch Gültigkeit besitzen (auch wenn sie im Grunde durch neuere Ersetzt werden). Verschiedene Substanzen z.B., werden noch nach DAB 8 (obwohl schon das 10er draußen ist) geprüft.

Vom Aussehen und einer vergleichbaren die bei uns in der Apo liegt würde ich das Baujahr sogar auf 1960 schätzen.

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Sehr schöne Errungenschaft lemmi !


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Ein sehr interessanter und lehrreicher Vortrag, @lemmi! Wink Nun weiß ich auch mal, wie die Waage funktioniert...

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Ich habe ein Problem mit meiner schönen Dichtewaage!

der Platindraht, an dem der Senkkörper befestigt wird, war gerissen. Der Draht hatte eine Dicke von 0,15 mm. Diese Stärke ist sehr schwer zu bekommen (Sonderanfertigung, teuer...), so daß ich Draht von 0,2 mm Dicke gekauft habe. Damit konnte ich den Senkkörper korrekt befestigen, muss aber jetzt die Halterung etas nachjustieren, da der Draht natürlich schwerer ist als der vorige.

Der Senkkörper ist so geeicht, daß für destilliertes Wasser bei 20°C eine Dichte von 0,9982 g/cm³ gemessen wird.



Als ich die Waage bekam habe ich das ausprobiert und der Wert hat sich bestätigt (exakt 0,9982). Jetzt aber - mit dem neuen Draht - finde ich einen Wert von nur 0,997. Das ist mir unverständlich.

Wenn überhaupt müsste der etwas dickere Pt-Draht doch ein wenig mehr Wasser verdrängen und der Auftrrieb zunehmen, so dass die gemessene Dichte etwas höher sein müsste als zuvor. Oder mache ich da einen Denkfehler? Könnt Ihr mir weiterhelfen?

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Pt hat eine Dichte von 21,45 und somit um ca 20,45 mehr als das Wasser und somit netto einen „negativen Auftrieb“. Ist dein Pt nun dicker, dann steigt der Effekt auf jeden Fall und du musst weniger Gewichte auf den Balken hängen = findest eine geringere Dichte.
Unabhängig von jeglichem Auftrieb hast du über den dicken Draht jetzt jedenfalls mehr Gewicht drauf hängen (wie schaffst du es das Ding jetzt in „leer aufgebautem Zustand“ in die waagrechte zu bekommen?)
Generell ist der Auftrieb des Drahts bzw dessen Eintauchtiefe sicher der Unsicherheitsfaktor des Geräts (ist es definiert oder egal ob der Schwimmkörper gerade mal untergetaucht ist oder der Draht bis fast oben beim Balken mit im Wasser ist?).

Ws spräche gegen eine Reparatur des alten Drahts? So gebrochen dass irreparabel?
Ein geübter Juwelier kann ihn eventuell löten, vielleicht kann man ihn auch einfach zusammenzwirbeln, ist der Schwimmkörper danach 1 cm kürzer angebunden - so what...
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Das Löten könnte eine "gewisse Herausforderung" werden. Man muß einen niedriger schmelzenden Werkstoff zugeben und ihn (reduzierend) bis zum Svhmelzpunkt erhitzen. An der Lötstelle werden sich die chemischen Eigenschaften des Drahtes ändern, da wahrscheinlich ein weniger edles Lot verwendet wird. Außerdem ist es "etwas" fummelig, die notwendige Überlappung so zu fixieren, daß sie nicht von der Lötflamme verschoben wird. Auch as Abmessen der minnimalen Lotmenge ist eine Herausforderung.


Da man mit einem solchen Platindraht nicht gerne herumbiegt (mit bekanntem Ergebnis) ist Folgendes nur nach reiflicher Überlegung testen: Der Platindtaht läßt sich bestimmt auch durch andere Metalle ersetzen, wenn das Medium ihn nicht angreift. Somit könnte man ihn auch durch Kupfer gleichen Durchmessers ersetzen, solange zuletzt das Gesamtgewicht wieder stimmt.


Nebenbei müßte man mal den Fehler durch den größeren Querschnitt des Ersatzdrahtes berechnen, wenn sich abschätzen läßt, wieviel davon bei der Messung untergetaucht ist.
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Leicht ist das sicher nicht, aber ein geübter Goldschmied weiß sicher Rat Smile vielleicht hat er auch eine ziehöse in 0,15 mm um deinen neuen Draht dünn zu bekommen?
Löten mit Gold? Verschweißen? Keine Ahnung... aber fragen kostet bekanntlich nichts Smile
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mgritsch hat Folgendes geschrieben:
Unabhängig von jeglichem Auftrieb hast du über den dicken Draht jetzt jedenfalls mehr Gewicht drauf hängen (wie schaffst du es das Ding jetzt in „leer aufgebautem Zustand“ in die waagrechte zu bekommen?).

lemmi hat Folgendes geschrieben:
muss aber jetzt die Halterung etas nachjustieren, da der Draht natürlich schwerer ist als der vorige

Siehe Beschreibung des Geräts im ersten post

mgritsch hat Folgendes geschrieben:
Generell ist der Auftrieb des Drahts bzw dessen Eintauchtiefe sicher der Unsicherheitsfaktor des Geräts (ist es definiert oder egal ob der Schwimmkörper gerade mal untergetaucht ist oder der Draht bis fast oben beim Balken mit im Wasser ist?).

Das ist bei der Eichung des Geräts mit eingerechent . Ich hatte ja geschrieben, dasss es mit dem alten Draht genau gestimmt hat.

mgritsch hat Folgendes geschrieben:
Pt hat eine Dichte von 21,45 und somit um ca 20,45 mehr als das Wasser und somit netto einen „negativen Auftrieb“. Ist dein Pt nun dicker, dann steigt der Effekt auf jeden Fall und du musst weniger Gewichte auf den Balken hängen = findest eine geringere Dichte.

Erklär mir das mal genauer! Ich dachte, der auszugleichende Auftrieb würde nur durch das Volumen an Wasser erzeugt, das der Draht verdängt. Und das ist bei einem dickeren Draht mehr als bei einem dünneren ---> in meiner Logik höherer Auftrieb = höhere gemessene Dichte. So, als ob der Senkkörper an Volumen zunehmen würde. Das zusätzliche Gewicht des Drahtes sollte meines Erachtens keine Rolle spielen, da die Waage zuvor einjustiert wird.
Denkfehler?

glaskocher hat Folgendes geschrieben:
Nebenbei müßte man mal den Fehler durch den größeren Querschnitt des Ersatzdrahtes berechnen, wenn sich abschätzen läßt, wieviel davon bei der Messung untergetaucht ist.

Wie würdest du das machen? Stimmt mgritschs Überlegung oder meine?

glaskocher hat Folgendes geschrieben:
Das Löten könnte eine "gewisse Herausforderung" werden. Man muß einen niedriger schmelzenden Werkstoff zugeben und ihn (reduzierend) bis zum Svhmelzpunkt erhitzen. An der Lötstelle werden sich die chemischen Eigenschaften des Drahtes ändern, da wahrscheinlich ein weniger edles Lot verwendet wird. Außerdem ist es "etwas" fummelig, die notwendige Überlappung so zu fixieren, daß sie nicht von der Lötflamme verschoben wird. Auch as Abmessen der minnimalen Lotmenge ist eine Herausforderung.

Löten halte ich auch für illusorisch und wenn man dann die Dichte aggressiver Substanzen bestimmt, reißt das ganze ....

glaskocher hat Folgendes geschrieben:
Da man mit einem solchen Platindraht nicht gerne herumbiegt (mit bekanntem Ergebnis) ist Folgendes nur nach reiflicher Überlegung testen: Der Platindtaht läßt sich bestimmt auch durch andere Metalle ersetzen, wenn das Medium ihn nicht angreift. Somit könnte man ihn auch durch Kupfer gleichen Durchmessers ersetzen, solange zuletzt das Gesamtgewicht wieder stimmt.

Könnte ich mal probieren. Wenn mgritsch recht hat, müsste ich dann eine zu hohe Dichte messen.

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lemmi hat Folgendes geschrieben:
mgritsch hat Folgendes geschrieben:
Pt hat eine Dichte von 21,45 und somit um ca 20,45 mehr als das Wasser und somit netto einen „negativen Auftrieb“. Ist dein Pt nun dicker, dann steigt der Effekt auf jeden Fall und du musst weniger Gewichte auf den Balken hängen = findest eine geringere Dichte.

Erklär mir das mal genauer! Ich dachte, der auszugleichende Auftrieb würde nur durch das Volumen an Wasser erzeugt, das der Draht verdängt. Und das ist bei einem dickeren Draht mehr als bei einem dünneren ---> in meiner Logik höherer Auftrieb = höhere gemessene Dichte. So, als ob der Senkkörper an Volumen zunehmen würde. Das zusätzliche Gewicht des Drahtes sollte meines Erachtens keine Rolle spielen, da die Waage zuvor einjustiert wird.
Denkfehler?


Richtig ist dass das Gewicht in Summe anfangs keinen Unterschied macht da einjustiert. (Ich hatte verstanden dass einjustieren bedeutet mit dem schräubchen im Fuß so auszubalancieren dass die Spitzen wieder aufeinander zeigen... wenn das Gewicht wesentlich abweicht müsste das Ding also schon etwas schief da stehen?)

Der Unterschied ist: stell dir einn Schwimmkörper vor, der eine Dichte <1 hat, also im Wasser einen positiven Auftrieb. Würdest du von dem „mehr“ haben (stell dir vor zB 2 Schwimmkörper, das ist auch zusätzliche Masse in der Luft die du erst mal balancieren müsstest...), dann würdest du eine größere Dichte messen weil du jetzt oben noch mehr dazu hängen musst um ihn wieder unterzutauchen. Beim Draht mit Dichte >1 ist es umgekehrt. Du hast ja nicht nur Volumen des Drahts erhöht (das steigert den Auftrieb) sondern auch Masse, und zwar mehr als Masse des zusätzlich verdrängten Wassers!

Insofern: der auszugleichende Auftrieb wird nicht nur durch das Volumen an Wasser erzeugt (das ginge schon allein von den Einheiten her nicht), sondern von Volumen x Dichteunterschied x Erdanziehung. (F = m x g; m = V x delta rho).

Stell es dir so vor: die Waage sei ausbalanciert, jetzt hängst du zusätzliches Gewicht dran. Hängst du es in der Luft dran, dann ist die zusätzliche Kraft durch den Dichteunterschied zur Luft bestimmt, hängst du es unter Wasser dran, dann durch den Unterschied zum Wasser. Das Platin erscheint jetzt zwar unter Wasser um das verdrängte Gewicht leichter, aber netto immer noch mit positivem Gewicht.

Hättest du recht, dann müsste jeder Taucher der sich noch ein Bleigewicht mehr an den Gürtel hängt dadurch leichter werden, und das ist definitiv nicht so Smile

Ad löten: dass der Goldschmied dafür Lötzinn benutzt halte ich für sehr unwahrscheinlich. Es gibt auch edle lote. Die wissen schon was sie tun. Ich denke nur dass wir hier alle keine Experten sind und dass man ja mal fragen (gratis) kann statt es einfach theoretisch auszuschließen... wie auch immer.
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mgritsch hat Folgendes geschrieben:
Der Unterschied ist: stell dir einn Schwimmkörper vor, der eine Dichte <1 hat, also im Wasser einen positiven Auftrieb. Würdest du von dem „mehr“ haben (stell dir vor zB 2 Schwimmkörper, das ist auch zusätzliche Masse in der Luft die du erst mal balancieren müsstest...), dann würdest du eine größere Dichte messen weil du jetzt oben noch mehr dazu hängen musst um ihn wieder unterzutauchen. Beim Draht mit Dichte >1 ist es umgekehrt. Du hast ja nicht nur Volumen des Drahts erhöht (das steigert den Auftrieb) sondern auch Masse, und zwar mehr als Masse des zusätzlich verdrängten Wassers!

Insofern: der auszugleichende Auftrieb wird nicht nur durch das Volumen an Wasser erzeugt (das ginge schon allein von den Einheiten her nicht), sondern von Volumen x Dichteunterschied x Erdanziehung. (F = m x g; m = V x delta rho).

Stell es dir so vor: die Waage sei ausbalanciert, jetzt hängst du zusätzliches Gewicht dran. Hängst du es in der Luft dran, dann ist die zusätzliche Kraft durch den Dichteunterschied zur Luft bestimmt, hängst du es unter Wasser dran, dann durch den Unterschied zum Wasser. Das Platin erscheint jetzt zwar unter Wasser um das verdrängte Gewicht leichter, aber netto immer noch mit positivem Gewicht.

Hättest du recht, dann müsste jeder Taucher der sich noch ein Bleigewicht mehr an den Gürtel hängt dadurch leichter werden, und das ist definitiv nicht so Smile

Verstehe ich immer noch nicht.

Der Definition nach berechnet sich der Auftrieb aus dem Volumen des Körpers und der Dichte der verdrängten Flüssigkeit - und nicht dem Dichteunterschied.

Wenn ein Taucher ein Bleigewicht trägt wird er dadurch schwerer, da das Gewicht mehr wiegt, als das Wasser, das es verdrängt. Aber für den Auftrieb ist nur das Gewicht des verdrängten Wassers zuständig und nur das wird mit der Dichtewaage gemessen. Ein Volumen Blei und ein gleiches Volumen Aluminium erfahren in Wasser eingetaucht den gleichen Auftrieb - ihr an der Dichtewaage gemessenes Gewicht nimmt um den selben Betrag ab. Die Resultierende ist bei Pb natürlich höher als bei Al, aber der Auftrieb ist jedesmal der selbe.

Die Dichte einer Flüssigkeit, auf der der Senkkörper schwimmt (z.B. Quecksilber), kann mit der Waage gar nicht gemessen werden, da er nicht sein gesamtes Volumen an Wasser verdängt, sondern ein Teil von ihm über die Wasseroberfläche hinausragt.

mgritsch hat Folgendes geschrieben:
Richtig ist dass das Gewicht in Summe anfangs keinen Unterschied macht da einjustiert. (Ich hatte verstanden dass einjustieren bedeutet mit dem schräubchen im Fuß so auszubalancieren dass die Spitzen wieder aufeinander zeigen... wenn das Gewicht wesentlich abweicht müsste das Ding also schon etwas schief da stehen?)

Richtig! Um die Waage zu justieren muss ich die Halterung etwas schief stellen. Macht das einen Unterschied?

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Du hast völlig Recht, daß der Auftrieb nur vom eingetauchten Volumen abhängig ist. Ob der Draht aus Platin oder Lithium ist sollte bei gleicher Geometrie keine Rolle spielen, solange die Gesamtdichte von Draht und Tauchkörper größer ist als die der (inerten) Flüssigkeit.

Jetzt müßten wir überlegen, ob der veränderte Winkel (Senkkörper hängt etwas tiefer) sich auf das Ergebnis auswirkt. Da der Winkel des Waagenarmes vor (ohne Probe) und während der Messung (Gleichgewicht mit Probe) identisch ist, sollte das ausscheiden. Man könnte allerdings das zusätzliche Gewicht des dickeren Drahtes durch Taragewicht auf der anderen Seite kompensieren. Optimal ist eine exakt horizontale Ausrichtung des Waagenarmes (wie mit Originaldraht). Kleine Winkeländerungen (Cosinus-Satz) wirken sich nur minnimal auf die "nutzbare Länge" des Waagenarmes aus. Sie können sich aber auf beiden Seiten entgegengesetzt verhalten, da beide Arme etwas "hängen" müssen, um ein stabiles Gleichgewicht zu bekommen (Schwerpunkt vom System unter Auflagepunkt). Hier müßte man mal die exakten Lagen der wirksamen Hebel bestimmen und die Wirkung der Änderung berechnen.

Ganz unten im Eingangsposting schreibst Du, daß es für bestimmte Dichtebereiche an Flüssigkeiten Korrekturzahlen gibt, die zum Messwert addiert werden müssen, um die am Draht hoch gezogene Flüssigkeit zu kompensieren. Wir haben hier einen um 33% vergrößerten Umfang des Drahtes zu verbuchen (0,20mm statt 0,15mm), müssen also die Kompensation anpassen. Zusätzlich müßten wir das jetzt größere getauchte Volumen des Drahtes (um 78% erhöht) kompensieren (Korrekturfaktor).


In letzter Konsequenz müßtest Du das Gerät neu kalibrieren, um die Korrektur anpassen zu lönnen. Dazu sollten sich Flüssigkeiten eignen, die man nach standardisierten Rezepturen aus einfachen Komponenten erzeugen kann (Salzlösungen, Lösemittelgemische). Du müßtest dann aber eine zusätzliche Bestimmung der Dichte machen, um die Lösungen auf korrekte Herstellung zu prüfen (z.B. Wiegen im Messkolben).
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Bei der Waage liegt noch etwas bei, nämlich ein Gewichtsstück, das man anstelle des Senkkörpers anhängen kann und das wohl genau das Gewicht des ursprünglichen Senkkörpers, inclusive Aufhängung und Pt-Draht, hat.



Wenn ich das anhänge, muss ich die Position des Waagefußes nicht korrigieren. Das gibt mir zu denken. Könnte es sein, dass dieses "Eichgewicht" dazu da ist, Veränderungen am Senkkörper so vorzunehmen, dass das Gesamtgewicht mit dem ursprünglichen übereinstimmt? (Wobei mir immer noch nicht klar ist, was es ausmachen soll, wenn der Senkkörper etwas schwerer ist als vorher) In der Anleitung steht dazu nichts..

Der Umfang des Drahtes hat nicht um 33% zugenommen, sondern der Durchmesser - okay, der Umfang auch, der ist dem Durchmesser direkt proportional. Das Volumen kann etwas zugenommen haben, aber der aktuelle Draht ist kürzer als der alte (hätte ich die alte Länge genommen, wäre das ganze so schwer geworden, daß ich den Unterschied nicht mehr hätte kompensieren können), so daß sich das bezgl. des Volumens teilweise sogar wieder ausgleichen dürfte. Ist der Effekt denn in einer Größenordnung, die eine Abweichung von 0,1% erklärt?

Glaskocher hat Folgendes geschrieben:
In letzter Konsequenz müßtest Du das Gerät neu kalibrieren, um die Korrektur anpassen zu lönnen. Dazu sollten sich Flüssigkeiten eignen, die man nach standardisierten Rezepturen aus einfachen Komponenten erzeugen kann (Salzlösungen, Lösemittelgemische). Du müßtest dann aber eine zusätzliche Bestimmung der Dichte machen, um die Lösungen auf korrekte Herstellung zu prüfen (z.B. Wiegen im Messkolben).

Eine entsprechende Lösung msüsste es gar nicht sein. Destilliertes Wasser würde es auch tun. Aber wie macht man die Kalibrierung?

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Um eine Kalibrationskurve zu zeichnen (berechnen) braucht man eine etwas größere Anzahl an Punkten. Im Prinziep sind das dann dir Summanden für die Wertekorrektur, die neu bestimmt werden müßten. Ich würde ungefähr die Zahl Punkte nehmen, die in der Liste mit den Korrekturwerten enthalten ist. Man könnte Salzlösungen für erhöhte Dichte und Organika für verminderte Dichte gegenüber Wasser nutzen. Alternativ zur Salzlösung ginge auch Schwefelsäure, für die es sehr fein aufgelöste Tabellenwerte gibt und die ein eindeutiges Azeotrop bildet. Jetzt spielt sicher noch der Benetzungswinkel (=Höhe des Meniskus) eine gewisse Rolle, die ich aber nicht bewerten kann.
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Okay, danke für deine Antwort! Ich habe schon wieder Eichung und Kalibrierung verwechselt ...Cool

Du hast die Neukalibration der Korrekturwerte für verschiedene Dichten im Sinn. Ich dachte, es handle sich darum, die Waage neu zu eichen, so dass die Eichung des Senkkörpers auf 0,9982 in Wasser bei 20°C wieder stimmt.

Kennst du die Funktion dieses Prüf/Eich/Kalibriergewichtes?

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