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Dammbruchkatastrophe in Kolontar / Ungarn
Illum.-Ass.

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Wir alle hier haben ja von dem Dammbruch in der Aluminiumhütte in Ungarn gehört.
Bei VC wird schon seit zwei Tagen darüber diskutiert und ich habe bislang gedacht, erstmal abwarten was tatsächlich Sache ist, da ja in den Medien auch gerne mal der kleinste Furz hochgespielt wird.
Die Fakten und Bilder aus den betroffenen Gebieten sprechen allerdings eine eindeutige Sprache.
Ich arbeite selbst in der Umwelt/Altlastenbranche und bin daher recht gut mit Industrieschweinerein vertraut.
Bei dem Zeug handelt es sich im sedimentierbaren Teil um sogenannten "Rotschlamm" aus dem Bauxitaufschluss.
Das Material ist stark Schwermetallhaltig im sinne der Umweltanalytik (Schwermetalle werden in dem Kontext zusammgefasst als in geringen Dosen, physiologisch wirksame Metalle und Metalloide. Also von Blei und Cadmium über Arsen, Selen und Tellur ist alles dabei was giftig ist)
Die Akute Wirkung auf Baumaterialien und Menschen die mit einer basischen Lösung von pH 12,9 überspült werden kann sich jeder hier selbst ausmalen...
Der von DMSO bei VC angesprochene Dammbruch in Rumänien hatte bei weitem nicht so weitreichende Folgen!
Faktisch sieht es so aus, das momentan der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben wird!
Solange das Zeug basisch ist werden die Schwermetalle nicht ausgeschwemmt aber die gewässer leiden unter dem hohen pH.
Im Moment wird, um das zu verhindern, versucht den pH zu senken was dann aber wieder die Schwermetalle mobilisiert.
Das Ding ist ein echter Supergau!
Egal was man macht, es ändert nichts...

Wäre schön von Euch mal ein paar ernsthafte Sellungnahmen zu dem Thema zu bekommen.

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ich weiss immer noch nichts von null? was für ein dammbruch? Shocked
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Erster Treffer bei Youtube, nicht unbedingt seriös aber faktisch richtig dargestellt. http://www.youtube.com/watch?v=n9SuCwOKQD

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Zufällig haben wir heute in der Schule einen Film über Aluminiumverhüttung gesehen, dieser Schlamm ist nur ein Abfallprodukt. Er besteht aus allen möglichen Metallen und Verbindungen, die in dem Bauxit enthalten sind. Bei der Herstellung von Aluminium wird mithilfe von Natronlauge das Aluminium "herausgesaugt".
Der Rest samt Natronlauge wird in Tanks gepumpt. Ich denke, man muss klären wie es dazu gekommen ist, und wer Schuld hat. Erst dann kann man fortfahren.

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Naja, wenn die Das Zeug in Tanks gelagert hätten wäre es nicht zu dem Gau gekommen. Stattdessen wurde der Mist in einem oberirdeischen Becken gelagert.
Wie auch immer, die Gegend wird auf lange Zeit unbewohnbar sein.
Greenpeace hat Folgendes geschrieben:
Die Analyse des Umweltbundesamtes ergab folgende Werte:

* 110 mg/kg Arsen,
* 1,3 mg/kg Quecksilber und
* 660 mg/kg Chrom.

Das sind Werte jenseits von gut und böse!
Den Kompletten Artikel gibts hier:
Greenpeacebericht
Greenpeace hat Folgendes geschrieben:
Bei der Wasseranalyse eines kleinen Kanals in der Ortschaft Kolontar wurde durch das ungarische Labor ein Arsengehalt von 0,25 Milligramm pro Liter festgestellt, das ist das 25-Fache des Trinkwassergrenzwertes.
Trinkwassergrenzwert liegt bei 10 Mikrogramm/l

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Zitat:
* 110 mg/kg Arsen,
* 1,3 mg/kg Quecksilber und
* 660 mg/kg Chrom.


mmhhh. bringt mir mal 20 Kilo, dann hol ich das mal raus Smile


Spaß beiseite

Schöner Mist, ich bin nur froh, dass bei uns andere Standards gelten.
Allein die ökologischen Spätfolgen sind gravierend

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Erinner mich irgendwie an das Baia Mare Dammbruch, nur dass es sich hier um Natriumcyanidlauge handelte. Aber die Donau triffts immer ^^
(http://de.wikipedia.org/wiki/Baia-Mare-Dammbruch)

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Wie ich oben schon angesprochen hatte, hat die Katastrophe in Rumänien damals zwar einen gewaltigen Schaden verursacht allerdings mit weniger massiven Langzeitfolgen.
Das Problem in Ungarn ist, daß die Schwermetalle im laufe der Zeit mobilisiert werden und dann auf dauer ins Grundwasser gelangen, so das mit einer Langzeitschädigung von Jahrzehnten gerechnet wird.
Im Prinzip kann man um das ganze Areal einen Zaun ziehen und ´ne Sperrzone draus machen. So einen Schaden bekommt man kaum bis garnicht saniert. Das heimtückische ist die Tatsache, daß der Schwermetallanteil mobil wird wenn der pH sinkt. Das passiert auf dauer Zwangsläufig, da das NaOH irgendwann ausgeschwemmt ist. In dem Fall wird der ganze Dreck in die oberen Bodenschichten und damit auf dauer ins erste Grundwasserstockwerk transportiert. In dem Fall können die die Gegend zumachen oder am besten evakuieren und "thermonuklear" sanieren

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Die ganze Problematik des Rotschlamms kann man auf 127 Seiten lesen:

http://www.upress.uni-kassel.de/online/frei/978-3-89958-359-5.volltext.frei.pdf

erstaunlich ist, dass bei ähnlichen Schadstoffgehalten wie in Ungarn, der ganze Sums auf Moorböden (10 T pro Hektar!) aufgebracht wurden (siehe Seite 97).

So kann man also Müll und Gifte also auch entsorgen und wieder dem biologischen Kreislauf zuführen.

Wörtlich auf Seite 101:

Zitat:
Die im Rotschlamm gebundenen Elemente Chrom und Arsen werden in der Krume gebunden und stellen keine Umweltgefährdung dar.


Alles in allem - ein interessanter Bericht, der das Problem von verschiedenen Seiten betrachtet.

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Ich hatte mit dem Zeug schon öfters zu tun. Rotschlamm ist aber leider nicht der einzige Müll der als Auffüllungsmaterial. Deklariet wird..Stichwort in dem Kontext ist Lärmschutzwall.In den Teilen wird alles verklappt was aus den normalen Bodenklassen fällt...Umweltrelevante Faktoren werden da gern zugunsten der Industrie übersehen. Ein schönes Beispiel ist da auch Flugasche oder Schlacken.
Zitat:
So kann man also Müll und Gifte also auch entsorgen und wieder dem biologischen Kreislauf zuführen.
Das ist mit vielen Sachen wie belasteten Böden z.B. seit langem gängige Praxis. Werden Grenzwerte Überschritten wird einfach mit einem entsprechenden Teil an weniger, anders belastetem oder aus anderenGründen nicht verwertbarem Material gemischt bis die Werte passen. Mir ist in dem Zusammenhang mal der Spruch zu Ohren gekommen "Eine aureichende Verdünnung ist auch eine Form der Dekontamination..." So sieht dann z.T. die sogenannte fachgerechte Entsorgung aus.

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Newclears hat Folgendes geschrieben:
Eine aureichende Verdünnung ist auch eine Form der Dekontamination...

Wie will man sonst derartige Massen an Erdreich mit der Deklaration "Sondermüll" sonst loswerden, um den ohnehin schon rudimentären Vorschriften vor Ort gerecht zu werden?
Wenn da ne Deponie angelegt wird, gibts, sofern man die da unten einfach machen lässt, doch genauso ne permanente Kontamination durch Regenwasser etc.
Da müssten doch, wenn man es überhaupt versuchen will, ganze Regionen "deponiert" werden. Und die Nachsorge an der Deponie (Eben um Sickerwasser, Staubaustragung, weiß der geier zu verhindern) würde auch nochmal Unsummen kosten...

Wie schafft man es überhaupt, dass sowas (47°05'14.58'' N 17°29'55.02'' E) einfach bricht!?
Mal so grob mit den Google-Vermessungsdaten hat das Becken über dem umgebenden Erdreich (ist ja ein ein Rückhaltebecken "über" dem Erdreich, abgegrenzt durch nen Damm) ein Volumen von ca. 4 Mio. m³. Vielleicht sollte man mal ernsthaft überlegen, diesen ganzen lustigen Betrieben zu erklären "überirdische" Rückhaltebecken schleunigst durch ausgehobene Becken/Tanks zu ersetzen?

Zitat:
einen Zaun ziehen und ´ne Sperrzone draus machen.

Ich glaub dazu wissen wir noch viel zu wenig über das Ausmaß... Man wird wohl eher versuchen 3-4 Regengüsse abzuwarten bis die rote Farbe verschwunden ist. Und den Leuten dann verbieten ihre Brunnen zu benutzen.

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Abusus non tollit usum.

Wären Maulaffen giftige Gefahrstoffe im Sinne der GefStoffV, könnte man das Gaffen an Privatpersonen durch Personen ohne Sachkunde nach §5 ChemVerbotsV nach §328 StGB bestrafen.
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Wenn du den obigen link gelesen hast dann siehst du wie man solche Probleme behandelt:

-> Rotschlamm eindicken und auf "Halde" kippen. Dickt beim Runterlaufen von selbst ein
-> Rückführung und "Verbringung" in die ursprünglichen Abbaugebiete
-> Grosszügige Verteilung in der Natur, bevorzugt saure Böden
-> chemische Aufarbeitung der Rohstoffe
-> oder merkeln (Wortbedeutung siehe: http://www.stupidedia.org/stupi/Merkeln)

Klar ist jedoch, dass nie für Jemanden auch nur die geringste Gefahr bestand. Schliesslich fand die letzte Kontrolle in Ungarn durch die Behörden vor 2 Wochen statt.

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Dann sollen die sich halt Ziegel draus pressen und ein Denkmal für die lustigen Rückhaltebecken errichten.
Aus der Vor-Ort Deponierung des Mülls wird jetzt wohl nichts mehr.
Und bei den Bildern von Greenpeace, komme ich auch eher zu dem Schluss von Lars, was die Sperrzone angeht.

"Abwägung von Umweltschäden bei der Gewinnmaximierung durch Outsourcing"

@Lars: Was hältst du von Immobilisierung von wasserlöslichen As-Verbindungen mit Fe3+?

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Zitat:
Wie will man sonst derartige Massen an Erdreich mit der Deklaration "Sondermüll" sonst loswerden,
Je nach Belastungs/Schadenstyp gibt es da recht gute Möglichkeiten. Schwermetallschäden können z.B. über Ionenaustauscher saniert werden. Für andere Typen wie CKW oder BTEX Schäden besteht die Möglichkeit die Kontamination mittels Strip-Anlagen in denen das Grundwasser über A-Kohle Rieseltürme geführt wird oder die Bodenluft abgesaugt über A-Kohle geleitet und auf Dauer ausgetauscht wird. Das sind nur ein paar Möglichkeiten wie sowas gehandhabt werden kann. Allerdings ist ein Bodenaustausch auf einer so großen Fläche eher illusorisch.
Das simpelste ist allerdings von vornherein den Unternehmen nach dem Verursacherprinzip klarzumachen wer die Kosten trägt und wie teuer so ´ne Sanierung wird. Das wirkt häufig Wunder...Die Betreiber der Anlage in Kolantar werden sich aber garantiert daran vorbeidrücken, so das die Kosten an Ungarn und der EU hängen bleiben.
Letztlich läuft das darauf hinaus, daß sich nicht viel ändert. Der Gammel aus den Dörfern wird u.U. entfernt und das war´s. Aus den Augen aus dem Sinn. Warum das nicht passieren wird siehe unten...
Was die Deponierung betrifft bleibt nur zu sagen "Lärmschutzwall". Das klingt in der Öffentlichkeit super nach Umweltschutz und ist letztlich oft nix weiter als eine Entsorgung von belasteten Böden, Abrissschutt etc. Kllingt auch viel besser als Deponie für belastete Böden und Bauschutt aus dem Rückbau kontaminierter Industrieanlagen.
Zitat:
Was hältst du von Immobilisierung von wasserlöslichen As-Verbindungen mit Fe3+?
Meinst Du Fe2+? Bei kleineren Schäden mit hoher Konzentration sicher eine interessante Idee. Allerdings wird das bei einer Fläche von 40km2 problematisch zum anderen ist das As ja noch nicht mobilisiert und wenn man es reduziert und fällt wird es irgendwann durch Sauerstoff, Bodenverhältnisse etc. auch wieder oxidiert.
Das geht im Grundwasserschwankungsbereich u.U. sehr schnell.

Einzige einigermaßen realistische Lösung ist den Ganzen Mist so schnell wie möglich bis auf 1m uGok abzuschieben und dann neu zu verfüllen.
Da aber bei einer fläche von ~40 km² einiges zusammenkommt mal ein Rechenbeispiel warum das wahrscheinlich wie oben angeführt wird nicht gemacht werden wird:
40 Quadratkilometer entsprechen 40 000 000 Quadratmeter. Wenn man nur den obersten Meter des Bodens abträgt ist man bei einem Volumen von 40 Millionen Kubikmeter belastetem Boden. Eine durchscnittliche Dichte von 2,5t/m3 angenommen sind wir bei einem Bodenaufkommen von 100 Millionen Tonnen! Wenn man jetzt mal davon ausgeht, daß der freundliche Entsorger von nebenan auch gerne mal ~100Euronen für die Entsorgung pro Tonne belastetem Boden nimmt ist man nur für die Entsorgerei bei ca 10 Milliarden Öcken. Selbst wenn die die Tonne für nen zehner irgendwo verklappen wird das immer noch ein verdammt teurer Spaß...Die Kosten für das Anlegen einer eigenen Deponie fallen da kaum noch ins Gewicht.

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