SSL (?): an | aus

Bitte die Forenregeln und die Hinweise zu den Versuchen lesen!

Neue Antwort erstellen
Cadetsche Flüssigkeit als klassischer Acetatnachweis
Illumina-Admin

Anmeldedatum: 07.05.2006
Beiträge: 6201
Artikel: 267
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 26
Cadetsche Flüssigkeit als klassischer Acetatnachweis

Ein Gemisch aus Kakodyl (Tetramethyldiarsan) und Kakodyloxid wurde 1760 von Louis Claude Cadet de Gassicourt entdeckt und entsprechend auch "Cadetsche Flüssigkeit" genannt. Kakodyl und Kakodyloxid stellen somit auch die ersten bekannten Organometallverbindungen dar. Cadet erhitzte Kaliumacetat mit Arsen(III)-oxid und erhielt ein übelriechendes Gemisch aus Kakodyl, Kakodyloxid und Spuren weiterer Organoarsenverbindungen. Diese Reaktion wurde aufgrund des intensiven und charakteristischen Geruchs (eine Mischung aus Kot und Knoblauch) als Acetatnachweis verwendet, ist aufgrund der Giftigkeit der Organoarsenverbindungen jedoch durch harmlosere Nachweisreaktionen ersetzt worden. Dennoch soll diese Reaktion hier vorgestellt werden.


Geräte:

Reagenzglas, Spatel, Brenner


Chemikalien:

Natriumacetat (oder andere acetathaltige Probe)

Arsen(III)-oxid (N, T+)


____________

Kakodyl (N, T)




Hinweis: Diese Reaktion ist als Experiment von historischem Interesse zu verstehen! Zum Nachweis von Acetat sollten andere, weniger gefährliche Nachweisreaktionen herangezogen werden! Mit Kleinstmengen arbeiten! Abzug!


Durchführung:

1 mg Arsen(III)-oxid wird in einem Reagenzglas mit 50 mg Natriumacetat vermischt und mit der Brennerflamme bis zur Verkohlung erhitzt. Fächelt man sich nach dem Abkühlen vorsichtig etwas von den entweichenden Dämpfen zu, kann man einen intensiven, unangenehmen Geruch wahrnehmen, der zum einen an Kot, zum anderen aber auch deutlich an weißen Phosphor (knoblauchartig) erinnert.


Entsorgung:

Das Reagenzglas wird zu den organischen Feststoffabfällen gegeben. Natriumacetat kann verdünnt in das Abwasser gegeben werden. Arsen(III)-oxid wird zu den anorganischen Feststoffabfällen gegeben.


Erklärung:

Natriumacetat reagiert mit Arsen(III)-oxid zu Kakodyloxid, Natriumcarbonat und Kohlenstoffdioxid. Durch Zersetzungsprodukte (Verkohlung!) kann das Kakodyloxid zu Kakodyl reduziert werden.




Bild:


Acetatnachweis über die Bildung von Kakodylverbindungen

_________________
"It is arguably true that the tetrapyrrole system is Nature's most remarkable creation."
- Claude Rimington
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Cyanwasserstoff anzeigenPrivate Nachricht sendenWebsite dieses Benutzers besuchen
Pok
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 19.08.2013
Beiträge: 1135
Artikel: 31
Interessanter Nachweis! Organometall-Verbindungen sind ja meistens nicht mit "alchemistischen" Methoden erhältlich. Aber hier bildet es sich ja relativ einfach. Liegt vermutlich auch am Halbmetallcharakter des Arsens, oder?

Wenn man verrückt wäre, könnte man jetzt noch die beiden Verbindungen isolieren. Mr. Green
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Pok anzeigenPrivate Nachricht senden
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 02.03.2014
Beiträge: 52
Artikel: 0
Wohnort: Bayern
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Ein toller Nachweis auf Acetat! Sehr schön gezeigt!

_________________
Mit freundlichen Grüßen

Sven
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Sven1105 anzeigenPrivate Nachricht senden
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 08.08.2010
Beiträge: 925
Artikel: 4
Wohnort: Berlin-Pankow
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 57
Ein sehr interessanter Nachweis!

_________________
"Der einfachste Versuch, den man selbst gemacht hat, ist besser als der schönste, den man nur sieht." (Michael Faraday 1791-1867)

Alles ist Chemie, sofern man es nur "probiret". (Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832)

„Dosis sola facit venenum.“ (Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus 1493-1541)

"Wenn man es nur versucht, so geht´s; das heißt mitunter, doch nicht stets." (Wilhelm Busch 1832 -1908)
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Uranylacetat anzeigenPrivate Nachricht senden
IllumiNobel-Gewinner 2012

Anmeldedatum: 06.01.2012
Beiträge: 2536
Artikel: 53
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 53
Mir ist die Reaktion unter dem Namen "Kakodyloxidprobe" bekannt. Ich habe das mal versucht aber nix gerochen. Allerdings habe ich nicht bis zum Verkohlen erhitzt, war vermutlich nicht lange genug.

Kakodyloxyd bildet mit Alkalien Salze. Das Natriumkadodylat (CH3)2AsO2Na, das das Arsen in fünfwertiger Form enthält, war früher als Arzneimittel in Gebrauch (MED 0,05, MTD 0,15 nach DAB 6). Zu Synthese setzte man wasserfreies Natriumacetat mit Arsen-III-oxid um, oxydierte mit Quecksilberoxid in wässriger Lösung und isolietre daraus die Kakodylsäure. Eine sicher nicht nachamenswerte Synthese... Wink

_________________
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Wissenschaft ist das organisierte Töten von Vorurteilen." (Joachim Kügler)
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von lemmi anzeigenPrivate Nachricht senden
Pok
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 19.08.2013
Beiträge: 1135
Artikel: 31
lemmi hat Folgendes geschrieben:
Das Natriumkadodylat [...] war früher als Arzneimittel in Gebrauch

Und als "Agent Blue" (ein Kollege vom besser bekannten Agent Orange) im Vietnamkrieg, wie Wikipedia sagt. Und zwar ca. 1,7 Mio. kg in Lösung während der ganzen Zeit. Shocked
Wurde zur Vernichtung der Reisernte benutzt, weil Gräser (Reis) besonders empfindlich darauf reagieren.
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Pok anzeigenPrivate Nachricht senden
Illumina-Admin

Anmeldedatum: 07.05.2006
Beiträge: 6201
Artikel: 267
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 26
Zitat:
Ich habe das mal versucht aber nix gerochen. Allerdings habe ich nicht bis zum Verkohlen erhitzt, war vermutlich nicht lange genug.


Ja, man muss tatsächlich recht stark erhitzen. Ich habe auch vorher (kurz nach dem "Schmelzen" und Wiedererstarren des NaOAc) dran gerochen und da war nichts, nach der Verkohlung war es aber recht deutlich.

_________________
"It is arguably true that the tetrapyrrole system is Nature's most remarkable creation."
- Claude Rimington
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Cyanwasserstoff anzeigenPrivate Nachricht sendenWebsite dieses Benutzers besuchen
IllumiNobel-Gewinner 2012

Anmeldedatum: 06.01.2012
Beiträge: 2536
Artikel: 53
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 53
Zusatzfrage: ist die Reaktion hinreichend spezifisch für Acetat? Sind Kreuzreaktionen bekannt? Weinsäure z.B. ?

Ich frage aus folgendem Grund: K.F. Mohr hat eine sehr empfindliche Probe beschrieben, mit der die Verunreinigung von Brechweinstein durch Arsen noch in Spuren nachgewiesen werden kann. Sie bestand darin, eine Probe der Substanz in einen kleinen Metalllöffelchen mit Metalldeckel bis zur Verkohlung zu erhitzen. Wenn dabei ein Knoblauchgeruch auftrat enthielt die Probe Arsen. Das könnte doch eine modifizierte Kakodyloxidprobe gewesen sein - nur daß eben kein Acetat sondern Tartrat vorlag.

_________________
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Wissenschaft ist das organisierte Töten von Vorurteilen." (Joachim Kügler)
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von lemmi anzeigenPrivate Nachricht senden
NI2
Illumina-Moderator

Anmeldedatum: 19.08.2008
Beiträge: 4764
Artikel: 84
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Durchaus denkbar. Aber würde vermuten, dass auch die Reaktion mit Propionaten funktioniert (durch Bildung des Ethyl-derivates). Da sollte man das glatt mal mit dem DMSA probieren (würde hier eher eine negative Probe durch Bildung von Arsensulfid(en) erwarten). Smile

_________________
I OC

There is no sadder sight in the world than to see a beautiful theory killed by a brutal fact. [T. Huxley]

But just because we live does not mean that we’re alive. [E. Autumn]

The pursuit of knowledge is hopeless and eternal. Hooray! [Prof. H. J. Farnsworth]
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von NI2 anzeigenPrivate Nachricht senden
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 06.01.2014
Beiträge: 21
Artikel: 0
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
lemmi hat Folgendes geschrieben:
Zusatzfrage: ist die Reaktion hinreichend spezifisch für Acetat? Sind Kreuzreaktionen bekannt? Weinsäure z.B. ?


Für Acetat eher weniger, denn ich kenn die Reaktion nur als (ziemlich zuverlässige) Vorprobe auf Arsen. Da war diese Reaktion bei uns im Schlonzpraktikum gang und gäbe ... damals, in der juten, alten Zeit Mr. Green

lemmi hat Folgendes geschrieben:
Ich frage aus folgendem Grund: K.F. Mohr hat eine sehr empfindliche Probe beschrieben, mit der die Verunreinigung von Brechweinstein durch Arsen noch in Spuren nachgewiesen werden kann. Sie bestand darin, eine Probe der Substanz in einen kleinen Metalllöffelchen mit Metalldeckel bis zur Verkohlung zu erhitzen. Wenn dabei ein Knoblauchgeruch auftrat enthielt die Probe Arsen. Das könnte doch eine modifizierte Kakodyloxidprobe gewesen sein - nur daß eben kein Acetat sondern Tartrat vorlag.


Hmmm ... Knoblauchgeruch spricht m.E. eher für einen Arsenwasserstoff. Da gabs doch in den steinzeitlichen Anfängen der forensischen Chemie mal die "Arsenprobe nach Metzger":
Die arsenverdächtige Substanz wurde auf glühende Kohle gegeben. Wenn sich ein starker Knoblauchgeruch entwickelte und auf einem in die Dämpfe gehaltenen Kupferblech ein weißgrauer Belag abschied, galt Arsen als "nachgewiesen". Funktioniert aber wohl nur dann zuverlässig, wenn Arsen in beinahe Grammmengen vorhanden ist und erfüllt ganz sicher nicht mehr die Anforderungen, welche man heute an einen chemischen Nachweis stellt. Die von Dir beschriebene Probe nach Mohr klingt für mich ziemlich ähnlich. Würde ich aber auch nur als Vorprobe einsetzen.

_________________
Ich bin weit über die Fähigkeit rationalen Denkens hinaus entsetzt!
"Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten - wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten - dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit."
George Orwell, 1984
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Obtainium anzeigenPrivate Nachricht senden
IllumiNobel-Gewinner 2012

Anmeldedatum: 06.01.2012
Beiträge: 2536
Artikel: 53
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 53
Obtainium hat Folgendes geschrieben:
"Arsenprobe nach Metzger":
Die arsenverdächtige Substanz wurde auf glühende Kohle gegeben. Wenn sich ein starker Knoblauchgeruch entwickelte und auf einem in die Dämpfe gehaltenen Kupferblech ein weißgrauer Belag abschied, galt Arsen als "nachgewiesen". Funktioniert aber wohl nur dann zuverlässig, wenn Arsen in beinahe Grammmengen vorhanden ist und erfüllt ganz sicher nicht mehr die Anforderungen, welche man heute an einen chemischen Nachweis stellt. Die von Dir beschriebene Probe nach Mohr klingt für mich ziemlich ähnlich. Würde ich aber auch nur als Vorprobe einsetzen.


Die Probe von Mohr soll sehr empfindlich sein - empfindlicher als die damals bekannten Fällungsreaktionen jedenfalls (die Marsh'sche Probe erwähnt er nicht) - es kann sich also kaum um den Nachweis von Gramm-Mengen handeln.

_________________
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Wissenschaft ist das organisierte Töten von Vorurteilen." (Joachim Kügler)
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von lemmi anzeigenPrivate Nachricht senden
Cadetsche Flüssigkeit als klassischer Acetatnachweis
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde  
Seite 1 von 1  



Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
  
   
  Neue Antwort erstellen