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Synthese von β-Bromstyren
(β-Bromstyrol) β-Bromstyren ist eine eher selten verwendete Chemikalie, die gelbe und klare Flüssigkeit stellt aber in einigen organischen Synthesen ein wichtiges Intermediat dar, wobei die wichtigere die Synthese von Phenylacetylen ist. Im industriellen Maßstab wird Styren (Styrol) bromiert und mit Natriumamid in flüssigem Ammoniak und unter Abspaltung von HBr zum Phenylacetylen umgesetzt. Da diese Synthese aber nicht ideal für den kleineren Labormaßstab ist, empfiehlt sich die Syntheseroute über 2,3-Dibrom-3-phenylpropionsäure, da die Bildung des Bromstyrens durch die höhere CH-Acidität durch die Carboxylgruppe am β-C-Atom auch im wässrigen Milieu durchgeführt werden kann. Anschließend erfolgt eine weitere Abspaltung von HBr durch Destillation aus einer Kaliumhydroxidschmelze. Außerdem kann β-Bromstyren durch 2 Mol organische Lithiumverbindungen wie n-Butyllithium oder Benzollithium direkt in das Lithiumsalz des Phenylacetylens überführen und z.B. bei der Rubrensynthese eingesetzt werden. Geräte: Bechergläser, Rückflussapparatur mit verschiedenen (Mehrhals-)Rundkolben, Magnetheizrührer mit Ölbad, Tropftrichter (mit Druckausgleich), Vakuumdestille, Möglichkeit zur Vakuumfiltration, Gaswaschflasche, Scheidetrichter, Calciumchloridrohr, Optional: Rotationsverdampfer, UV-Lampe Chemikalien: Tetrachlormethan (N, T) ![]()
Zimtsäure (Xi)
Brom (C, N, T+) ![]() ![]()
Natriumhydroxid (C)
Ethanol (F)
Natriumacetat Dichlormethan (Xn)
Natriumhydrogencarbonat ____________ 2,3-Dibrom-3-Phenylpropionsäure (Xi)
beta-Bromstyren (Xn)
Hinweis: Vorsicht beim Umgang mit Brom (Abzug)! Tetrachlormethan (Tetrachlorkohlenstoff) ist carcinogen. Durchführung: 2,3-Dibrom-3-Phenylpropionsäure 15 g Zimtsäure werden in einem 500 ml Zweihalskolben mit Calciumchloridrohr und Tropftrichter in 100ml heißem Tetrachlorkolhenstoff gelöst und die Lösung anschließend schnell abgekühlt damit sich feine Kristalle der Zimtsäure bilden. Zu dieser wird unter ständigem Rühren eine Lösung von 6 ml Brom in 25 ml Tetrachlorkohlenstoff langsam zugetropft. Es muss eine Natriumhydroxidlösung zur Vernichtung von Bromresten bereitstehen. Das Reaktionsgemisch sollte Sonnenlicht, einer starken elektrischen Lampe oder wie in diesem Fall mit einer UV-A-Lampe ausgesetzt sein (Kolben öfter drehen). Falls die Lösung zu schwer zu rühren sein sollte kann noch etwas Tetrachlorkohlenstoff hinzugegeben werden. Nach vollständiger Zugabe wird die Lösung 15 min weiter gerührt und anschließend in den Kühlschrank gestellt. Nach etwa einer Stunde wird der Niederschlag abgesaugt (Gaswaschflasche mit Natriumhydroxid zwischenschalten um Bromdämpfe zu vernichten) und mit 30ml kaltem Tetrachlorkohlenstoff gewaschen und im Vakuum (<1 mbar) getrocknet. Es kann aus einem Wasser-Ethanol-Gemisch umkristallisiert werden, was aber nicht unbedingt notwendig ist, da der Stoff noch weiterverarbeitet wird. Die bromierte Säure ist als reine Substanz weiß, kann aber durchaus auch leicht creméfarben sein, was die weitere Reaktion aber nicht beeinträchtigt. Ausbeute: 24,0 g (77,4 % d.Th.) β-Bromstyren 24 g 2,3-Dibrom-3-Phenylpropionsäure wird in einem 1 l Rundhalskolben 120 ml Ethanol (95%) gelöst und mit einer Lösung von 24 g wasserfreiem Natriumacetat oder 43 g Natriumacetat Trihydrat in ca. 75 ml Wasser versetzt. Dabei fällt ein Großteil der 2,3-Dibrom-3-Phenylpropionsäure wieder aus. Die Suspension wird nach leichtem Schwenken und Mischen im Ölbad mit 150 °C eingestellter Badtemperatur (erreicht wurden aber aufgrund der Kolbengröße nur 120 °C) 4 h refluxiert wobei sich die Suspension klärt und zu mit zunehmendem Reaktionsfortschritt gelb verfärbt. Nach Abkühlen auf Raumtemperatur wird die nun milchig trübe Lösung mit kaltem Wasser auf 500 ml verdünnt. Nach einiger Zeit im Kühlschrank setzt sich ein orangefarbene Öl am Kolbenboden ab. Das Öl wird im Scheidetrichter abgetrennt und die wässrige Phase zwei mal mit je 25-30 ml Dichlormethan extrahiert. Die vereinigten organischen Phasen mit einer gesättigten Natriumhydrogencarbonatlösung und noch einmal mit destilliertem Wasser gewaschen. Das Dichlormethan wird (im Rotationsverdampfer) abgezogen und das verbleibende orangefarbene Öl bei 20 mbar und 108 °C destilliert. Ausbeute: 9,4 g (65 % d. Th., Gesamtausbeute 50 %) Entsorgung: Die Lösungsmittel werden recycelt. Organische Reste werden dem halogenhaltigen organischen Abfall zugeführt. Bromreste werden mit Natronlauge vernichtet, alternativ kann auch eine Natriumsulfit-Lösung verwendet werden. Erklärung: Die Doppelbindung der Zimtsäure wird bromiert, dabei wird die Reaktion durch UV-Strahlung begünstigt.
Der 2,3-Dibrom-3-Phenylpropionsäure wird durch die basische Acetat-Lösung Bromwasserstoff entzogen, wobei das Wasserstoffatom vom β-C-Atom stammt (positiv polarisiertes Kohlenstoffatom durch Carboxylgruppe). Durch die Hitze wird die entstandene 2-Brom-3-phenylprop-2-ensäure decarboxyliert und das racemische β-Bromstyren gebildet.
Bilder:
Vorgelegte Zimtsäure
Zimtsäure in siedendem Tetrachlorkohlenstoff
Reaktionsapparatur
Bromierung unter UV-Licht
Fortgeschrittene Reaktions
Man sieht die Bildung der weißen Dibromphenylpropansäure durch UV-Bestrahlung an der Kolbenwand sehr gut
Beendete Reaktion (Kolben unter UV-Licht)
Beendete Reaktion (Kolben ohne UV-Licht)
Abgesaugter und gewaschener Rückstand
2,3-Dibrom-3-Phenylpropionsäure vorm Trocknen
Beim Trocknen im Vakuum
Getrocknete 2,3-Dibrom-3-Phenylpropionsäure
Rückflussapparatur
Siedendes Reaktionsgemisch
Noch warme Lösung
Trübung beim Abkühlen
Tröpfchenbildung erkennbar
Organische Phase des Bromstyrens
Extraktion der wässrigen Phase
Extrakt im Rotationsverdampfer
Produkt |
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_________________ There is no sadder sight in the world than to see a beautiful theory killed by a brutal fact. [Huxley] The worst sin towards our fellow creatures is not to hate them, but to be indifferent to them: that's the essence of inhumanity. [Shaw] The center of the universe cannot exist when there are no, no edges. [Marilyn Manson]
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Illumina-Mitglied
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Sehr schön, klassisch. Aber wäre eine Eliminierung mit z.B. Natriumcarbonat, wie auch auf VC beschrieben, nicht besser ?
Und noch was : Wozu das UV-Licht bei der elektrophilen Addition ? Startet das ganze sonst schwieriger ? Viele Grüße, Nico. |
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_________________ Haribo macht Kinder froh, KCN tut's ebenso
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Illumina-Moderator
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Habe ich auch überlegt,... Allerdings hat die Vorschrift mit Kaliumacetat gearbeitet und ich dachte mit halt, dass es nicht ohne Grund so sein wird Da bei VC leider keine Ausbeute angegeben ist lassen sich keine Vergleiche anstellen. Aber die sanftere Variante mit Kaliumacetat liefert eventuell weniger Nebenprodukte wie z.B. gebildetes Phenylacetylen. Außerdem hat man so zwei verschiedene Möglichkeiten. Aus Erfahrung wirst du sicherlich wissen, dass eine Bromierung auch ohne weitere Hilfe abläuft, da ich bei mit allerdings extrem ungünstige Lichtverhältnisse habe, hab ich mich dafür entschieden mit Lampe zu arbeiten, Schaden kann's nicht. ^^ |
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Illumina-Mitglied
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..ich frag mich manchmal ob du zeitmässig nebenbei auch noch schläfst und Nahrung aufnimmst. |
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_________________ Hopfen und Malz-Gott erhalt´s
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Illumina-Moderator
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*lach* Ja schon |
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Illumina-Mitglied
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Also mit Acetat wird durchaus gearbeitet, dennoch scheint die Eliminierung in Wasser nicht unbedingt die beste Methode zu sein. Mit Aceton und Natriumhydrogencarbonat erhält man wohl weitaus höhere Ausbeuten :
Decarboxylation. II. The Stereochemistry of the Transformation of cis-Cinnamic Acid Dibromide to β-Bromostyrene Erling Grovenstein Jr., Spyros P. Theophilou Journal of American Chemical Society pp 3795–3798 Publication Date: July 1955 (Article) DOI: 10.1021/ja01619a034 Ich wollte das sowieso bald mal bis zu Phenylacetylen machen, allerdings glaube ich, dass insofern eine E1 als Konkurrenz abläuft, ein vicinales Bromhydrin mit einstehen könnte. Aber eher sehr unwahrscheinlich. Viele Grüße, Nico |
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_________________ Haribo macht Kinder froh, KCN tut's ebenso
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Illumina-Mitglied
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Also mit Acetat wird durchaus gearbeitet, dennoch scheint die Eliminierung in Wasser nicht unbedingt die beste Methode zu sein. Mit Aceton und Natriumhydrogencarbonat erhält man wohl weitaus höhere Ausbeuten :
Decarboxylation. II. The Stereochemistry of the Transformation of cis-Cinnamic Acid Dibromide to β-Bromostyrene Erling Grovenstein Jr., Spyros P. Theophilou Journal of American Chemical Society pp 3795–3798 Publication Date: July 1955 (Article) DOI: 10.1021/ja01619a034 Ich wollte das sowieso bald mal bis zu Phenylacetylen machen, allerdings glaube ich, dass insofern eine E1 als Konkurrenz abläuft, ein vicinales Bromhydrin mit einstehen könnte. Aber eher sehr unwahrscheinlich. Viele Grüße, Nico |
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Illumina-Moderator
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Klingt interessant, wäre auch mal einen Versuch wert, allerdings war ich mit der Bromierung schon irgendwie ein wenig unzufrieden. Nunja mal schauen Über die Sache mit dem Hydrin habe ich mir auch schon Gedanken gemacht, da müsste man das ganze mal analytisch untersuchen. |
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Illumina-Mitglied
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So ein Bromhydrin würde halt entstehen, wenn ein Carbeniumion in wässrigem Milleau (!) von Wasser als Nucleophil abgefangen wird. Das ist natürlich auch ein Grund, warum man für den Versuch kein NaOH verwenden sollte. Es handelt sich jedoch um eine sterisch nicht wirklich anspruchsvolle Eliminierungsposition und solange die Substituenten antiperiplanar stehen können (An einem Cyclohexanring gibt es da manchmal Probleme durch sog. Konformationanker) sollte eine E2 problemlos möglich sein. |
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Illumina-Moderator
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NaOH ist eben wie du schon angemerkt eine zustarke Base (Nucleophilbildung), daher scheint das Acetat im wässrigen ganz okay zu sein, vll wäre das Carbonat, was ja auch schon recht basisch ist im Aceton die bessere Wahl, oder eben wie in der von dir erwähnten Lit. mit dem Hydrogencarbonat.
EDIT: Was ich noch schrieben wollte: Wenn du eine Natriumcarbonatlösung heiß machst steigt der Anteil der OH--Ionen, wie auf VC beschrieben ist die Reaktionszeit natürlich kürzer, allerdings ist die Bildung des vicinalen Bromhydrins wahrscheinlicher, mMn. |
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Illumina-Mitglied
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Also ich denke, dass unter diesen Bedingugen (Hitze, sehr basisch) eine E2 dominieren wird.
Aber um noch mal zum radikalischen zurückzukommen : Wenn Du ein Halogen einsetzt hat Markovnikov ja sowieso nichts zu sagen, bei einer radikalischen Addition bekommst Du ja schließlich das anti-Markovnikovprodukt (z.B. spielt das bei einer Hydrohalogenierung eine Rolle). Solange Du dann in Tetrachlorkohlenstoff arbeitest, können Dir keine Bromradikale daran angreifen, da ich jedoch in Methylenchlorid arbeiten wollte, werde ich wohl in der Kälte arbeiten und ohne Radikalstarter. Sonst geht ein Haufen an Brom für die Bromierung vom Methylenchlorid drauf und die elektrophile Addition ist eigentlich auch recht schnell. |
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