SSL (?): an | aus

Bitte die Forenregeln und die Hinweise zu den Versuchen lesen!

Neue Antwort erstellen
Bariumperchlorat wird einfach nicht trocken
IllumiNobel-Gewinner 2012

Anmeldedatum: 06.01.2012
Beiträge: 3502
Artikel: 62
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 55
Ich habe ein zugegebenermassen sehr kleines Problem, das ich aber dennoch mal hier zur Diskussion stellen möchte.

Ich habe aus Bariumhydroxid und Perchlorsäurelösung Bariumperchlorat dargestellt. Beide Substanzen wurden zuvor auf ihren Gehalt überprüft. Da das Bariumhydroxid nicht unerhebliche Mengen Carbonat beinhaltet, habe ich einen kleinen Überschuss eingesetzt und den Ansatz (8 ml 68%ige HClO4 und 13,7 g Ba(OH) + 8 H2O2/BaCO3 in 125 ml Wasser) zum Sieden erhitzt. Die Mischung reagierte neutral. Von etwas überschüssigem BaCO3 habe ich abfiltriert und auf dem Wasserbad eingedampft. Als ein Kristallbrei vorlag, habe ich abkühlen gelassen, denn nach dieser Quelle verliert Bariumperchlorat bei 100 °C sein Kristallwasser, und ich wollte das Trihydrat erhalten.

Nun habe ich 18,2 g eines feuchten Salz"teigs" (theoretische Ausbeute bezogen auf meine Perchlorsäure wären 17,62 g Ba(ClO4)2 + 3 H2O) vorliegen. Und der will einfach nicht trocken werden, nicht mal im Exsikkator über Kieselgel. Das Produkt reagiert gegen Lackmus neutral, enthält also keine nachweisbaren Mengan freie Perchlorsäure. Dass es hygroskopisch ist, wird in der o.g. Quelle nicht angegeben, es zerfließt auch nicht an der Luft, aber trocken wird es auch nicht.

Irgendwelche Ideen?

_________________
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie gesehen haben." (Alexander v. Humboldt, 1769 - 1859)
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von lemmi anzeigenPrivate Nachricht senden
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 08.05.2017
Beiträge: 1169
Artikel: 28
Wohnort: Wien
Wenn es ein "Teig" ist dann ist da noch merklich Wasser dran, sicher mehr als nur der Unterschied zur theoretischen Ausbeute. Kieselgel ist da schnell mal überfordert.
Ideen:
Bei zB 80-90° im Backrohr ein paar Stunden... Es geht oft nichts über Wärme!
Mit heftigeren Mitteln arbeiten - P2O5, H2SO4, KOH...
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von mgritsch anzeigenPrivate Nachricht senden
NI2
Illumina-Moderator

Anmeldedatum: 19.08.2008
Beiträge: 5628
Artikel: 85
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Es ist außerdem bei den Trockenmitteln aufgeführt.



Eventuell bringt die Literaturquelle dich weiter.

_________________
I OC

There is no sadder sight in the world than to see a beautiful theory killed by a brutal fact. [T. Huxley]

But just because we live does not mean that we’re alive. [E. Autumn]

The pursuit of knowledge is hopeless and eternal. Hooray! [Prof. H. J. Farnsworth]
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von NI2 anzeigenPrivate Nachricht senden
Re: ... wird einfach nicht trocken
Pok
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 19.08.2013
Beiträge: 1531
Artikel: 37
In der teigigen Masse könnte oberflächlich verdampftes Wasser zur Krustenbildung führen und so die überschüssige Mutterlauge im Teigklumpen einschließen. Die könnte dann gar nicht ausdunsten, egal wie lange man trocknet.

Stärkere Trockenmittel sind aber auch nicht besser, weil bei Schwefelsäure schon das Monohydrat entstehen soll. Umkristallisieren macht nur bei größeren Mengen Sinn, weil man wegen der guten Löslichkeit sonst extreme Verluste hätte.

Ich würde einfach das wasserfreie Salz durch ordentliches Erhitzen herstellen.

_________________
Ab 4. Mai Berlin blockieren!
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Pok anzeigenPrivate Nachricht sendenWebsite dieses Benutzers besuchen
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 19.02.2015
Beiträge: 424
Artikel: 5
Falls Du ein Roti hast, im Vakuum bei 80C trocknen, wenn nicht dann im Backofen oder Trockenschrank.
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Phil anzeigenPrivate Nachricht senden
Pok
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 19.08.2013
Beiträge: 1531
Artikel: 37
Um das Trihydrat zu gewinnen, wäre Erhitzen im Backofen/Trockenschrank aber nicht so gut. Wenn das Anhydrat schon bei 100 °C und das Monohydrat schon über konz. Schwefelsäure entsteht, dürften auch schon unter 100 °C im Backofen 2 Mol Kristallwasser abgegeben werden. Falls sich Krusten bilden, hilft das auch nicht.

_________________
Ab 4. Mai Berlin blockieren!
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Pok anzeigenPrivate Nachricht sendenWebsite dieses Benutzers besuchen
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 19.02.2015
Beiträge: 424
Artikel: 5
Wasserfrei machen und die nötige Menge Wasser zugeben?
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Phil anzeigenPrivate Nachricht senden
Re: ... wird einfach nicht trocken
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 11.08.2009
Beiträge: 476
Artikel: 25
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
lemmi hat Folgendes geschrieben:
Nun habe ich 18,2 g eines feuchten Salz"teigs" (theoretische Ausbeute bezogen auf meine Perchlorsäure wären 17,62 g Ba(ClO4)2 + 3 H2O) vorliegen. Und der will einfach nicht trocken werden, nicht mal im Exsikkator über Kieselgel. Das Produkt reagiert gegen Lackmus neutral, enthält also keine nachweisbaren Mengan freie Perchlorsäure. Dass es hygroskopisch ist, wird in der o.g. Quelle nicht angegeben, es zerfließt auch nicht an der Luft, aber trocken wird es auch nicht.

Irgendwelche Ideen?

Warum sollte es denn nicht hygroskopisch sein?
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von ChemDoc anzeigenPrivate Nachricht senden
Pok
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 19.08.2013
Beiträge: 1531
Artikel: 37
Wenn es an der Luft nicht zerfließt, kann es gar nicht hygroskopisch sein.

_________________
Ab 4. Mai Berlin blockieren!
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Pok anzeigenPrivate Nachricht sendenWebsite dieses Benutzers besuchen
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 11.08.2009
Beiträge: 476
Artikel: 25
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Das Zerfließen bezeichnet den Extremfall der Hygroskopie. Es dürften da jedoch noch Zwischenstadien existieren. Z.B. klebrige Bonbons.
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von ChemDoc anzeigenPrivate Nachricht senden
IllumiNobel-Gewinner 2012

Anmeldedatum: 06.01.2012
Beiträge: 3502
Artikel: 62
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 55
Ich hatte es jetzt zuerst 2 Stunden bei 70 °C im Trockenschrank. Danach war es immer noch leicht breiig. Als ich es dann in den Exsikkator stellte, zum Abkühlen, beschlug der Deckel des Exsikkators innen mit Feuchtigkeit.

Schon wieder eine Beobachtung, die mir widersinnig vorkommt! Wenn es bei 70°C Wasserdampf abgibt - wieso wird es dann nicht trocken?

Dann habe ich es für 2 Stunden bei 120 °C gehalten. Ergebnis: oberflächlich einzelne trockene Stellen, andere sind weiter feucht. Das ganze bildet beim Umrühren eine jetzt etwas trockenere aber weiter plastische Masse.

Ich habe es jetzt heiß in den Exsikkator gestellt und diesen evakuiert. Mal sehen, was passiert...

Ob es sein kann, daß meine Ausgangssubstanz unrein ist und Magnesium enthält? Magnesiumperchlorat soll ja unglaublich hygroskopisch sein.

Anderseits habe ich ein paar Krümel vom Spatel abgeschabt und ein paar Stunden im Reagenzglas offen an der Luft stehen gelassen. Die Krümel kann man schütteln, sie kleben fast nicht an der Glaswand, aber sie sind halt nicht trocken. Während der Aufbewahrung an der Luft haben sie sich nicht verändert, sind also nicht zerflossen - was auch m.E. dagegen spricht, dass die Substanz hygroskopisch ist (Calciumchlorid wäre bei dem heutigen schwülen Wetter längst zerflossen).

Andererseits schreibt NI2, es sei bei den trockenmitteln aufgeführt ... vielleicht so wie KOH, das zerfließt ja auch nicht schnell und trocknet kräftig.

_________________
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie gesehen haben." (Alexander v. Humboldt, 1769 - 1859)
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von lemmi anzeigenPrivate Nachricht senden
Pok
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 19.08.2013
Beiträge: 1531
Artikel: 37
Magnesium als Verunreinigung kann ich mir nicht vorstellen. Magnesiumhydroxid ist schließlich sehr schwer löslich und kommt in handelsüblichem Bariumhydroxid wohl kaum vor.

Mit KOH kann man es bestimmt auch nicht vergleichen. KOH zerfließt wohl deshalb erst relativ spät, weil es erstmal noch "wasserhaltigere" Hydrate bildet als das kaufbare Hydrat. Bariumperchlorat-Trihydrat wird garantiert nicht unter den Trockenmitteln aufgeführt. Wenn das schon über konz. Schwefelsäure so bereitwillig 2 Mol Kristallwasser abgibt, wäre selbst das wasserfreie Salz ein schlechtes Trockenmittel.

Was spricht gegen meine Vermutung? Ich bin zufällig selbst gerade dabei, Bariumperchlorat zu reinigen. Mindestens beim Eindampfen bildet es doch Krusten.

@ChemDoc: Ich glaube nicht, dass man das als Übergangszustand bezeichnen kann. Entweder ist die Substanz fest oder gelöst. Die klebrige Oberfläche auf einem Bobon ist eine hochkonzentrierte, übersättigte Zuckerlösung. Bei anorganischen, ionischen Salzen dürfte so ein Klebe/Sirup-Zustand nicht vorkommen.

_________________
Ab 4. Mai Berlin blockieren!
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Pok anzeigenPrivate Nachricht sendenWebsite dieses Benutzers besuchen
IllumiNobel-Gewinner 2012

Anmeldedatum: 06.01.2012
Beiträge: 3502
Artikel: 62
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 55
aus einer der von NI2 angegebenen Literaturstellen:



Die Angabe, dass das Anhydrid leicht bei 100 °C enststeht, scheint falsch zu sein.

Die Angaben der Wikjipedia beruhen auf folgender Quelle: Handbuch der Anorganischen Chemie von 1905 (!), dort steht aber auch noch ein Detail:



Wenn mein Präparat doch Spuren von Perchlorsäure enthält, wäre das eine Erklärung für das sonderbare Verhalten.

_________________
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie gesehen haben." (Alexander v. Humboldt, 1769 - 1859)
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von lemmi anzeigenPrivate Nachricht senden
IllumiNobel-Gewinner 2012

Anmeldedatum: 06.01.2012
Beiträge: 3502
Artikel: 62
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 55
Pok hat Folgendes geschrieben:
Was spricht gegen meine Vermutung?

Dass ich auch nach 2 Stunden bei 120 °C noch feuchte Brocken vorliegen habe. Nicht unter einer Kruste, sondern offen liegend.

Wie hast du dein Bariumperchlorat hergestellt? Hast du keine Probleme mit der Kristallisation?

_________________
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie gesehen haben." (Alexander v. Humboldt, 1769 - 1859)
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von lemmi anzeigenPrivate Nachricht senden
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 05.01.2014
Beiträge: 546
Artikel: 0
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Wenn das Salz sein Kristallwasser erst bei >100°C an Schwefelsäure abgibt, dann ist das schon recht stabil.
Warum nicht einfach mal vollständig trocknen und schauen, wie sich das Salz dann (z.B. offen an Luft) verhält?
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von CD-ROM-LAUFWERK anzeigenPrivate Nachricht senden
Bariumperchlorat wird einfach nicht trocken
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde  
Seite 1 von 4  



Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
  
   
  Neue Antwort erstellen